Psychologe: Alle fünf Minuten ein Suizidversuch in Deutschland

Mehr als 60.000 Menschen hätten einen nahestehenden Angehörigen durch Suizid verloren. Die Zahl der versuchten Selbstmordversuche liege bei mehr als 100.000 im Jahr.

Alle fünf Minuten versucht einer Statistik der Universität Hamburg zufolge ein Mensch in Deutschland, sich das Leben zu nehmen. "Es sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen", sagte der Diplom-Psychologe Georg Fiedler bei einem Forum zur Suizidprävention am Freitag im evangelischen Stephansstift in Hannover. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen starben 2012 in Deutschland 9.890 Menschen durch Suizid, darunter deutlich mehr Männer als Frauen.

Weit über 60.000 Menschen hätten so einen nahestehenden Angehörigen verloren. Das Durchschnittsalter derer, die durch eigene Hand starben, liege bei 56,9 Jahren. Die Zahl der Suizidversuche liege bei mehr als 100.000 pro Jahr. Fiedler arbeitet am Therapiezentrum für Suizidgefährdete am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Der Tod des Fußball-Nationalspielers Robert Enke vor fünf Jahren habe die Zahl der Suizide auf Bahngleisen in wenigen Tagen auf das Drei- bis Vierfach ansteigen lassen, erläuterte Fiedler. Bis heute liege ihre Zahl noch deutlich höher als vor dem Suizid von Enke. Auf der anderen Seite seien die Suizid-Zahlen seit Anfang der 1980er Jahre stark gesunken. Das liege unter anderem an verbesserten Therapien und Medikamenten in der Psychiatrie.

Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Christoph Künkel, plädierte dafür, Selbsttötungen zu enttabuisieren: "Wir müssen den Suizid dorthin holen, wo er hingehört: in die Mitte der Gesellschaft."