Präses: Flüchtlinge brauchen mehr als Platz und Essen

Westfälische Präses kritisiert Umgang mit Asylbewerbern

Foto: dpa/Matthias Benirschke

Präses: Flüchtlinge brauchen mehr als Platz und Essen
Die westfälische Präses Annette Kurschus hat einen zögerlichen Umgang mit den Misshandlungsvorwürfen in den Flüchtlingsheimen bemängelt.

"Es gab ja offenbar Anzeichen, dass die Unterbringungsmöglichkeiten nicht wirklich menschenwürdig sind", sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen am Dienstag in Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Ich bin überzeugt, dass hier früher gehandelt hätte werden müssen", sagte Kurschus, die an diesem Mittwoch in der Unterkunft in Burbach mit Flüchtlingen und Ehrenamtlichen sprechen will.


In mehreren Flüchtlingsheimen in Nordrhein-Westfalen sollen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Flüchtlinge gequält oder misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt gegen Wachleute sowie den Geschäftsführer der Betreiberfirma European Homecare (EHC) und den Leiter der Unterkunft in Burbach. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) entband EHC von all seinen Aufgaben in Burbach. Die Einrichtung wird jetzt vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. 

Wer solche Heime betreibe, müsse bei dem Personal besondere Sorgfalt walten lassen, sagte Kurschus weiter. Denn hier gehe es um den Umgang mit Menschen, die traumatisiert nach Deutschland kämen. "Wenn sie von neuem schlechter Behandlung ausgesetzt sind, dann ist das doppelt schlimm." Es reiche nicht, dass es genug Platz und genug Essen gebe. "Da muss auch eine psychologische Betreuung sein, da muss menschlich mit den Flüchtlingen umgegangen werden."

Die Präses begrüßte es, dass der Umgang mit Flüchtlingen ein öffentliches Thema geworden ist. Kurschus bemängelte jedoch, dass verantwortliche Politiker Schwierigkeiten hätten, auch einmal einen Fehler einzugestehen. Es hätte sicher sehr zur Deeskalation beigetragen, wenn Innenminister Jäger bereits früh Versäumnisse eingeräumt hätte.

Kurschus sprach sich für eine großzügigere Aufnahme von Flüchtlingen aus. "Das ist eine Notsituation, wo wir aufgerufen sind, bei den Hilfen trotz aller Belastungen über das normale Maß hinauszugehen." Als Aufgabe der Kirche sieht sie es, sich dafür einzusetzen, dass dort, wo Flüchtlinge hinkommen, ein positives Klima entsteht. "Es ist wichtig, mit den Menschen in der Umgebung zu sprechen und ihnen möglichst die Ängste zu nehmen", sagte die Theologin.