Neuer Betreiber für Flüchtlingsheim in Burbach

Die ehemalige Siegerland-Kaserne in Burbach wird als Notunterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge genutzt.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Die ehemalige Siegerland-Kaserne in Burbach wird als Notunterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge genutzt.

Neuer Betreiber für Flüchtlingsheim in Burbach
Nach der Ausweitung der Ermittlungen wegen mutmaßlicher Misshandlungen in Flüchtlingsheimen hat Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) die Betreiberfirma in Burbach abgelöst. Das Unternehmen European Homecare (EHC) sei mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben in Burbach entbunden, teilte Jäger am Dienstag in Düsseldorf mit.

Damit würden Konsequenzen aus den neuen und ganz konkreten Vorwürfen gegen Mitarbeiter von EHC gezogen. Das Rote Kreuz übernimmt die Betreuung der Flüchtlinge. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt gegen den Geschäftsführer von European Homecare, Sascha Korte, und den Leiter der Unterkunft wegen des Verdachts, dass sie von systematischen Übergriffen gegen Flüchtlinge wussten.

"Angesichts der massiven Verdachtsmomente gegen den Leiter der Einrichtung und weitere Mitarbeiter ist das Vertrauen für eine zuverlässige Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister in Burbach nicht mehr gegeben", sagte Jäger. Ab sofort betreibt das Deutsche Rote Kreuz die Einrichtung. Jäger betonte, er werde die Aufklärung der Vorwürfe in allen Flüchtlingseinrichtungen des Landes weiter vorantreiben. Dass jetzt weitere Vorwürfe ans Tageslicht kommen, sei auch eine Folge der eingeleiteten Untersuchungen.

Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt wegen der Übergriffe in Burbach nicht nur gegen Sicherheitsleute, sondern auch gegen den EHC-Geschäftsführer und den Leiter des Flüchtlingsheims als Beschuldigte. Ihnen werde vorgeworfen, von der Existenz von sogenannten "Problemzimmern" und deren strafrechtlich relevanter Nutzung zumindest gewusst und sie nicht unterbunden zu haben, erklärte der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim am Dienstag. Es bestehe der Verdacht auf Freiheitsberaubung und Nötigung sowie Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft oder durch Unterlassen.

In den "Problemzimmern" sollen Flüchtlinge, die sich nicht an Regeln hielten, eingesperrt worden sein. In einem Ende September bekanntgewordenen Video zwingen Wachleute einen Mann, sich in einem solchen Raum auf eine Matratze mit Erbrochenem zu legen.

Heimleitung wusste vom "Problemzimmer"

Die Staatsanwaltschaft Siegen hatte am Montag die Geschäftsräume der Firma European Homecare in Essen durchsucht. Ebenfalls durchsucht wurden die Wohnung des Geschäftsführers und die Räume der Heimleitung in Burbach. Dabei seien umfangreiche Unterlagen sichergestellt worden, deren Auswertung noch geraume Zeit dauern werde, sagte Daheim. Anlass waren Aussagen von Sicherheitskräften aus Burbach, nach denen European Homecare von Übergriffen gegen Flüchtlinge wusste und diese zum Teil sogar angeordnet hatte.

Das Unternehmen wies die Anschuldigungen zurück. Bereits am Sonntag hatte EHC aber eingeräumt, dass es in der Vergangenheit in Burbach Räume gegeben habe, in denen "beispielsweise alkoholisierte oder unter Drogen stehende Asylbewerber" eingeschlossen wurden. Auch der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma SKI, die in Burbach bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe tätig war, berichtete von einem "Problemzimmer". Der Raum sei von Sozialarbeitern mit Wissen und Billigung der Heimleitung eingerichtet worden, sagte Walter Stilper am Montag der "Hersbrucker Zeitung".

Das Unternehmen European Homecare betreut in Nordrhein-Westfalen fünf weitere Landesunterkünfte und nach eigenen Angaben bundesweit 40 Flüchtlingseinrichtungen.

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