Gewerkschafter aus Bangladesch erhält Menschenrechtspreis

Gewerkschafter aus Bangladesch erhält Menschenrechtspreis
Seit rund 30 Jahren kämpft Amirul Haque Amin gegen die prekären Zustände in der Textilindustrie. Die Stadt Nürnberg will mit der Auszeichnung erneut auf ein Thema aufmerksam machen, bei dem sich jeder an die eigene Nase fassen müsse.

Der Gewerkschafter Amirul Haque Amin aus Bangladesch erhält den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis 2015. Der 53-Jährige werde damit für seinen Kampf für die Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie geehrt, teilte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) am Montag mit. Damit stelle die Preisvergabe erstmals soziale Standards und Arbeitnehmerrechte in den Mittelpunkt.

Mit dem mit 15.000 Euro dotierten Preis wolle man Amins Arbeit unterstützen, sich aber auch "an die eigene Nase fassen", sagte Maly, der auch Juryvorsitzender ist. "Wir wollen soziale Verantwortung und
verantwortungsvollen Konsum gerade in die Köpfe der jungen Leute reinbringen", unterstrich der Oberbürgermeister.

Amin ist Präsident und Mitbegründer der National Garment Workers Federation, der größten Gewerkschaft Bangladeschs. Seit 1984 kämpfe er mit "Hartnäckigkeit und Unerschrockenheit" gegen unhaltbare
Zustände in der Bekleidungsindustrie, urteilte die Jury. In den vergangenen Monaten sind Hunderte Beschäftigte der Bekleidungsindustrie bei Bränden in Fabriken und Gebäudeeinstürzen getötet worden.

Noch vor dem Einsturz einer Textilfabrik in Dhaka 2013 habe Amin ohne Erfolg große Unternehmen gebeten, Vereinbarungen zum Brandschutz und zur Gebäudesicherheit zu unterschreiben, erklärte die Stadt Nürnberg. In Dhaka waren über 1.100 Beschäftigte ums Leben gekommen und 2.000 verletzt worden.

Gegen Amin läuft eine Klage wegen Volksverhetzung

Angela Melo, Mitglied der Jury und Direktorin der Unesco-Abteilung für Sozial- und Geisteswissenschaften, sagte, Amins Engagement betreffe den Kern der Machtverhältnisse zwischen den armen und reichen Nationen. Zwar gebe es bereits die Normen und UN-Vereinbarung zur Einhaltung der Menschenrechte der Arbeiter, sie könnten aber nicht durchgesetzt werden.



Amin sei Einschüchterungskampagnen ausgesetzt, sagte Martina Mittenhuber, Leiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros. Derzeit bereiteten Arbeitgeber gegen ihn eine Klage wegen Volksverhetzung vor, weil er in den USA über die Arbeitsbedingungen in seinem Land berichtet habe. Generell sei die Gewerkschaftsarbeit in Bangladesch mit der Gefahr verbunden, die Arbeitsstelle zu verlieren oder schikaniert zu werden.

Der Nürnberger Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre an Personen oder Initiativen vergeben, die sich besonders für die Menschenrechte einsetzen. Er soll laut Satzung Symbol dafür sein, dass von der ehemaligen Stadt der menschenverachtenden NS-Rassegesetze "nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen". Zu den bisherigen Preisträgern gehörten 2009 der Iraner Abdolfattah Soltani, 2011 der kolumbianische TV-Journalist Hollman Morris und zuletzt die ugandische Homosexuellen-Aktivistin Kasha Jacqueline Nabagesera. Der Preis wird am 27. September 2015 im Nürnberger Opernhaus verliehen.

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