Regierungskrise in Lesotho nach Putschversuch

Regierungskrise in Lesotho nach Putschversuch
Ein Putsch-Versuch des Militärs hat im kleinen afrikanischen Königreich Lesotho eine schwere politische Krise ausgelöst. Nachdem Premierminister Thomas Thabane am Samstag ins Nachbarland Südafrika floh, hat offenbar ein langjähriger politischer Gegner Thabanes die Macht übernommen.

Wie regionale Medien berichteten, bekundete der stellvertretende Premierminister und  Rivale, Mothetjoa Metsing, am Sonntag seinen Regierungsanspruch. Das Militär hatte am Samstag Regierungs- und Polizeigebäude umstellt. Es gab Schusswechsel mit der Polizei.

Premierminister Thabane sprach von einem Putsch und erklärte, er werde erst nach Lesotho zurückkehren, wenn er nicht mehr um sein Leben fürchten müsse. Thabane regiert seit 2012 in einer Koalition mit der rivalisierenden Partei "Lesotho Kongress für Demokratie" (LDC), der auch Vize-Premierminister Metsing angehört. Metsing führe jetzt die Regierungsgeschäfte, sagte ein Minister laut dem südafrikanischen Radiosender "Eyewitness News". Metsings LDC-Partei wies allerdings Vorwürfe zurück, für den Putsch-Versuch  verantwortlich zu sein.

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Premierminister Thabane hatte im Juni das Parlament aufgelöst und damit die politischen Kämpfe zwischen den beiden Parteien neu entfacht. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1966 hat es in Lesotho immer wieder Machtübernahmen durch das Militär gegeben. Lesotho hat rund zwei Millionen Einwohner und ist vollständig von Südafrika umschlossen.

Die südafrikanische Regierung verurteilte den Eingriff des Militärs. Auch der Staatenbund der Commonwealth-Länder, dem Lesotho angehört, erklärte am Samstagabend, man toleriere den verfassungswidrigen Sturz einer gewählten Regierung nicht. 1998 hatte die südafrikanische Armee in eine politischen Krise in Lesotho eingegriffen. Damals starben rund 60 Menschen.