Evangelikale Kirche weiht größtes Gotteshaus Brasiliens ein

Evangelikale Kirche weiht größtes Gotteshaus Brasiliens ein
In der brasilianischen Metropole São Paulo ist am Donnerstagabend ein monumentales Gotteshaus eingeweiht worden.

Der "Templo de Salomão" gehört der evangelikalen "Igreja Universal do Reino de Deus" (Universale Kirche des Reichs Gottes) und fasst 10.000 Besucher. An der Eröffnungszeremonie nahmen zahlreiche Persönlichkeiten aus Religion und Politik teil, unter ihnen Präsidentin Dilma Rousseff und der Gouverneur von São Paulo, Geraldo Alckmin.

Das säulenumfasste Gebäude ist eine Replik des Salomonischen Tempels, der im zehnten Jahrhundert vor Christus in Jerusalem erbaut wurde. Der Bau hat eine Fläche von 75.000 Quadratmetern und kostete über 220 Millionen Euro. Ein Teil der Steine wurde aus Israel importiert.


Die Universale Kirche des Reichs Gottes ist die größte der zahlreichen Neo-Pfingstkirchen in Brasilien. Sie soll Schätzungen zufolge zwei Millionen Anhänger haben, nach eigenen Angaben über zehn Millionen. Sie fordert von den Gläubigen zehn Prozent ihres Einkommens ein und hat damit in allen Landesteilen große Gotteshäuser errichtet.

Geführt wird die "Igreja Universal" von dem umstrittenen Unternehmer Edir Macedo, der als einer der reichsten Männer des Landes gilt. Macedo, der sich "Bischof" nennt, baute ein Medienimperium auf, zu dem auch der Fernsehsender Record gehört. Sowohl in Brasilien wie in den USA wurde gegen Macedo wegen Spendenveruntreuung und Steuerhinterziehung ermittelt.

Der gigantische Kirchbau gilt als Symbol für die zunehmende Macht der evangelikalen Kirchen im größten Land Südamerikas. Ihre Anhänger machen inzwischen rund 25 Prozent der Bevölkerung aus. Die Mehrheit der Brasilianer bezeichnet sich nach wie als katholisch, doch sank ihr Anteil in den vergangenen 40 Jahren von 90 auf 65 Prozent.

Auch politisch gewinnen die Pflingstkirchler an Einfluss. Mehrere von ihnen kontrollierte Parteien sind im Kongress vertreten. Ihre Fraktion setzt sich für traditionelle Familienwerte ein und wehrt sich gegen eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts sowie die Anerkennung von Homosexuellen. Die meisten dieser Parteien gehören zur Mitte-Links-Regierungskoalition von Rousseff.

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