Bedford-Strohm: Reformationspapier kein Widerspruch zu Ökumene

Foto: epd-bild/Norbert Neetz
Bedford-Strohm: Reformationspapier kein Widerspruch zu Ökumene
Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat das vieldiskutierte Papier "Rechtfertigung und Freiheit" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegen Kritik verteidigt.

Er könne nicht sehen, warum das Dokument im Widerspruch zu ökumenischen Fortschritten stehen solle, schreibt Bedford-Strohm in einem am Montag veröffentlichten Beitrag auf dem Internetportal "katholisch.de". Der bayrische Landesbischof äußerte sich überrascht und betrübt über die Schärfe der Diskussion.

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Der im Mai vorgestellte Text legt mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 die theologischen Grundlagen der Reformation dar, vor allem die Rechtfertigungslehre von Martin Luther (1483-1546). Nach Erscheinen des Papiers hatten Historiker der EKD eine dogmatische Geschichtsdeutung sowie eine Einengung der Reformation auf die Theologiegeschichte vorgehalten. Von katholischer Seite wurde bemängelt, der Text ignoriere ökumenische Errungenschaften. Vereinzelt wurde verlangt, die katholische Kirche solle alle Einladungen zu den bevorstehenden Reformationsfeiern zurückweisen.

"Man reibt sich die Augen und fragt sich: Was ist da passiert?" schreibt der bayerische Landesbischof. Er räumte ein, der "Schatz an ökumenischen Dialogfrüchten" könne künftig in EKD-Dokumenten besser aufgenommen werden. Inhaltlich stelle das aktuelle Papier jedoch den Versuch dar, den Sinn der Rechtfertigungslehre für die heutige Zeit aufzuschließen. "Dieser Versuch ist in dem Text auch hervorragend gelungen." Man könne es nur begrüßen, dass sich die Kirche ihrer Wurzeln vergewissere und die Frage beantworte, "was evangelischer Glaube denn überhaupt bedeutet und worin seine Relevanz besteht".

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Bedford-Strohm sagte, das Papier widerspreche nicht dem, was in ökumenischen Dokumenten erarbeitet worden sei, vor allem nicht der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999. "Was soll da der Gegensatz sein?" fragte der Geistliche. Man könne nicht verlangen, dass die Konfessionen ihre jeweiligen Traditionen aufgäben. "Dass Unterschiede bleiben, muss aber kein Hinderungsgrund für ökumenisch-geschwisterliche Gemeinschaft sein", sagte der Landesbischof. Deswegen hoffe er, "dass sich auch in diesem Fall die Wogen wieder glätten". 2017 solle in ökumenischer Gemeinsamkeit ein "großes Christusfest" gefeiert werden, "so wie Luther selbst es sich nach meiner Überzeugung gewünscht hätte".

Bei der Rechtfertigungslehre geht es um die Frage, wie der Mensch Gnade vor Gott findet. Nach evangelischer Auffassung ist der Mensch unabhängig von eigenen guten Werken ganz auf die rettende Gnade Gottes angewiesen. Diese Haltung hat sich die katholische Kirche inzwischen weitgehend zu eigen gemacht.