Sorge über Anti-Israel-Proteste - Sympathie für Israel sinkt

Sorge über Anti-Israel-Proteste - Sympathie für Israel sinkt
"Kindermörder Israel" oder "Hitler ist Vergangenheit, aber Israel Gegenwart": Solche Parolen sind derzeit bei Protesten gegen die Militärschläge Israels im Gazastreifen zu hören. Der Zentralrat der Juden zeigt sich schockiert. Der Friedensbeauftragte der EKD Renke Brahms sagte, die einfachen Parolen seien der falsche Weg, die teilweise berechtige Kritik an der israelischen Regierung auszudrücken.

Die aktuelle Eskalation im Konflikt zwischen der palästinensischen Hamas im Gazastreifen und Israel hat auch in deutschen Städten mehrere Anti-Israel-Demonstrationen ausgelöst. Religionsvertreter äußern sich besorgt über die Slogans, die bei diesen Demonstrationen gezeigt werden.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, attestierte den Demonstranten Antisemitismus. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, unterstrich die Gefahr, die von pauschalen Parolen ausgehe. Zugleich sinken die Sympathien der Deutschen für Israel, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des "Stern" hervorgeht.

In einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwochsausgabe) schrieb Graumann: "Das Ausmaß von Hass und Hetze, das uns auf deutschen Straßen entgegenschlägt, ist schockierend." Er fügte hinzu: "Antisemitische Hetze mitten in unseren Städten werden wir niemals akzeptieren." Vor über einer Woche hatte das israelische Militär mit Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen begonnen. Vorausgegangen waren Raketenangriffe der Hamas auf israelische Städte. In der Folge kam es in Deutschland, aber auch in Frankreich und den Niederlanden zu pro-palästinensischen Demonstrationen von Rechtsextremisten, Islamisten und linken Organisationen. Dabei wurden Medienberichten zufolge Parolen wie "Kindermörder Israel" oder "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" skandiert.

Der EKD-Friedensbeauftragte Brahms forderte die Demonstranten zur Mäßigung auf. "Wenn es uns hier in Deutschland nicht gelingt, differenziert und deeskalierend zu wirken, wie soll es dann vor Ort gelingen?" mahnte er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei den Protesten gebe es auch antisemitische Äußerungen. Pauschal von "den Juden" oder "den Palästinensern" zu reden, sei gefährlich: "Diese einfachen Parolen sind der falsche Weg, um die teilweise berechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung auszudrücken", unterstrich der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche. "Ich verstehe die Sorgen der jüdischen Gemeinden, die sich in der aktuellen Stimmung nicht ganz ungerechtfertigt vor Übergriffen fürchten."

Deutsche geben zur Hälfte Israel, zur Hälfte der Hamas die Schuld

Der repräsentativen "Stern"-Umfrage zufolge geben mehr als die Hälfte der Deutschen (52 Prozent) fast in gleichem Maße dem jüdischen Staat wie der militant-islamischen Hamas die Schuld an dem Konflikt. 86 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, Deutschland solle sich öffentlich nicht klar hinter Israel stellen. 14 Prozent der Befragten geben Israel die Hauptschuld für den Konflikt. 16 Prozent vertreten dagegen die Auffassung, dass die Hamas Schuld an der Eskalation sei.

Bei einer "Stern"-Umfrage im Januar 2009 lagen die Gewichte noch deutlich anders. Auch damals hatte Israel eine Operation gegen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen gestartet und ging massiv mit Luftangriffen und Bodentruppen vor. Obwohl die Aggressivität dieses Militäreinsatzes kritisiert wurde, gaben nur 13 Prozent Israel die Schuld, 30 Prozent aber der palästinensischen Hamas.

Graumann verteidigte indes die Militärschläge Israels. Es sei "Israels Pflicht und legitimes Recht, seine eigene Bevölkerung zu schützen", sagte der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Dafür sei es unausweichlich, die Terrorstruktur der Hamas zu zerstören. "In Gaza müssen die Menschen endlich befreit werden - von der Hamas, die Menschenrechte mit den Füßen tritt, Frauen diskriminiert, Homosexuelle verfolgt und politisch Andersdenkende foltert."

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