"Der Schutz der Schöpfung ist kein Luxusgut"

"Der Schutz der Schöpfung ist kein Luxusgut"
Moral gegen Wirtschaft: Auf der Klima-Konferenz in Durban wird geredet und geredet während der CO2–Ausstoß steigt und steigt. Einige Staaten erleben den Klimawandel bereits hautnah, vor allem die Industriestaaten wollen aber das Wirtschafswachstum nicht gefährden und deshalb auch keine international verpflichtenden Abkommen eingehen. Dabei steht die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel, sagen auch Vertreter der Evangelischen Kirche.

Noch hat Richard Brand Hoffnung. Vor Beginn der entscheidenden Schlusstage mit den Ministern für diese Konferenz. Und langfristig auch für den Klimaschutz. Die alles entscheidende Frage, die "Schicksalsfrage", ob die Menschheit nicht nur theoretisch begreift, dass sie ihre Einstellung zum Klimaschutz ändern, sondern auch die Umsetzung verbindlich für alle Nationen hinbekommen muss, beantwortet er mit "ja". Brand ist Referent beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) für Klima und Energie und gerade in Durban.

Noch bis zum 9. Dezember beraten rund 190 Nationen auf der UN-Klimakonferenz auch über weiterführende und umfassende rechtsverbindliche Lösungen für die Zeit nach 2012. Denn dann läuft die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Abkommens aus. Deshalb sollen nun neue Verbindlichkeiten zur Emissionsreduktion geschaffen werden. Die wichtigsten Punkte in Durban: die Reduktion des  CO2-Ausstoßes, die Unterstützung der armen Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und die Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern beim Klimaschutz.

Was aber macht den Referenten so sicher, dass alle Nationen ein Einsehen haben werden? "Auf der einen Seite liegt das an China", sagt Brand. "Durch die Chinesen kommt gerade Dynamik in die Konferenz." China – das Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß der Welt – hat als Schwellenland im Kyoto-Abkommen bisher keine Reduktionspflichten. Mit der Begründung, es sei zur Überwindung von Armut auf schnelles Wirtschaftswachstum angewiesen, lehnt es dies bisher kategorisch ab. China unternimmt lediglich freiwillige Anstrengungen. Nun signalisiert Peking unter bestimmten Bedingungen die Bereitschaft, in einem umfassenden Abkommen ab 2020 auch Verpflichtungen einzugehen. "Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil China als boomendes Schwellenland damit seine internationale Rolle neu bestimmen würde." Und dann ist da noch die Erkenntnis bei allen Delegationen, das es in Sachen Klimaschutz fünf vor Zwölf ist.

Die Industrieländer müssten die Emissionen um 95 Prozent reduzieren

Dass der Klimawandel voranschreitet, ist kein Geheimnis. Auch nicht, dass die im Kyoto-Protokoll festgelegten Emissionsminderungen nicht ausreichen, um den weltweiten Temperaturanstieg bei zwei Grad Celsius zu halten. Dafür müssten die Industrieländer laut Berechnungen des Weltklimarates IPCC bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Im Kyoto-Vertrag sind bis 2012 nur fünf Prozent festgelegt. Und einige Länder haben noch nicht einmal diese Verpflichtung unterschrieben – wie zum Beispiel die USA.

Doch Brand ist optimistisch, dass auch Washington früher oder später ein Einsehen haben wird. Entweder auf die harte Tour – wie durch Hurrikan Katrina. "Oder das Land wird verstehen, dass es sich durch diese Politik ins Abseits der Weltgemeinschaft befördert." Eine ungezügelte globale Erwärmung lasse sich aber nur durch eine "Multipolarität der Verantwortung" verhindern, sagt Brand. Dazu gehören auch die USA.

Noch ist es längst nicht so weit. Und deshalb bleibt das Gefühl, dass auch auf dieser Konferenz geredet und geredet wird, aber zu wenig passiert, dass solche Konferenzen eine Farce sind. Brand kann verstehen, dass das von außen so wirken kann. Und er sagt, dass auch die Delegierten auf den Konferenzen unzufrieden darüber sind, dass es so schleppend voran geht. Aber er sagt auch: "Ich sehe keine Alternative zu den UN-gestützen Verhandlungen, denn globale Probleme brauchen völkerrechtliche abgesicherte Lösungen."

"Wir sind zum Erfolg verdamm. Eine Alternative gibt es nicht"

Das Gefühl des Redens-statt-Handelns ist Thomas Schaack bekannt. "Unter all den Aspekten und Instrumenten und Abstimmungen bei den Verhandlungen scheint das eigentliche Problem zu verschwimmen", sagt der Umweltpastor und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten (AGU) der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Das eigentliche Problem – die Überlebensfrage der Menschheit, vielleicht das größte weltpolitische Problem, ist der Klimawandel und der Umgang mit den Ressourcen. Dabei sind wir zum Erfolg verdammt. Eine Alternative gibt es nicht."

Und trotzdem: Für viele Länder scheint Umweltschutz immer mit wirtschaftlichem Wachstum zu kollidieren. Umweltschutz kann sich nur leisten, wer die Mittel dafür hat, das Argument hat Schaack schon oft gehört. "Dahinter steckt der Gedanke, dass der Schutz, die Bewahrung der Schöpfung ein Luxusgut ist." Der falsche Gedanke, findet er. Nachhaltige Wirtschaft sei die Antwort.

Bisher sieht es nicht so aus, als würden die Staaten in Durban große Fortschritte machen. Und Schaack glaubt auch nicht, dass es einen großen Durchbruch geben wird. "Neue verbindliche Regulierungen wird es nur in kleinen Schritten geben. Ob die reichen werden, werden wir dann sehen."


Maike Freund ist Redakteurin bei evangelisch.de