"Car Culture": Ein Auto muss nicht immer mobil sein

"Car Culture": Ein Auto muss nicht immer mobil sein
Altöl im Cabrio, aufgequollene Porsches und ein Trabi als DDR-Leichenwagen: Die Schau "Car Culture" im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie zeigt das Auto eher als Fantasiegebilde denn als Fortbewegungsmittel. Und schlägt die Brücke von der physischen zur immateriellen Kommunikation, vom Auto zum Handy.

Nanu: Da steht ein roter Kleinlaster, dessen Ladefläche, um satte 45 Grad nach oben gebogen, lässig an einer Wand lehnt. Fortbewegen kann man sich mit diesem "Truck" des österreichischen Künstlers Erwin Wurm eher nicht. Schlecht zu fahren sind auch die fünf übereinander gelegten, platt gewalzten Autos gleich nebenan. HA Schult, der den Schrotthaufen fabriziert hat, nennt das Werk "Crying Cars". Ja, sie können einem leid tun, diese verhinderten und demolierten Fortbewegungsmittel.

Das Auto als "technisches Zentralobjekt der Moderne", wie Peter Sloterdijk es einmal bezeichnet hat, ist in der bemerkenswerten Karlsruher Schau ganz zur Skulptur geworden. Auf vielfältige Weise wird da mit dem Begriff der Mobilität gespielt, das Erdgeschoss des Zentrums für Kunst und Medientechnologie verwandelt sich in einen Parkplatz der ungewöhnlichen Anblicke und Einsichten. "Mobil", beweglich, sind dabei die wenigsten Objekte.

Ein Rolls Royce, geteert und gefedert

Denn die beteiligten Künstler aus dem In- und Ausland sehen im Auto eher das Fantasiegebilde als das Fortbewegungsmittel. Der aufgequollene rote Porsche von Erwin Wurm sieht aus wie ein überdimensionierter Bonbon, Olaf Moojis "Brain Car" zeigt das Auto als scheinbar fühlendes Objekt. Ein Cabrio ist bis obenhin mit Altöl gefüllt, ein anderes birgt einen Dschungel von Pflanzen in sich. Ein Rolls Royce wurde im Wortsinn geteert und gefedert, ein schwarz lackierter Trabi soll wohl den Leichenwagen der DDR versinnbildlichen.

Verspielt und fantasievoll sind auch die Entwürfe von Studierenden der Hochschule Pforzheim, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die jungen Leute vom Studiengang "Transportation Design" sollten sich das Auto der Zukunft vorstellen. Die Ergebnisse sind beeindruckend, wenn auch nicht durchgängig praxisnah. Immerhin haben die Nachwuchsdesigner einen konstruktiveren Zugang zum Auto als Wolf Vostell (1932-1998), dessen Happening mit einem per Dampframme plattgewalzten Auto nebenan auf Fotos zu sehen ist.

Von Hertz bis zum Handy

Das Auto ist indes nur die eine Seite der modernen Mobilität. Neben der physischen Beweglichkeit steht die immaterielle Mobilität durch Telegrafie, Rundfunk, Internet. Beide Aspekte haben ihre Wurzeln in Karlsruhe: Der hier geborene Carl Benz meldete 1886, vor genau 125 Jahren, das erste Patent für ein Automobil an. Im gleichen Jahr entdeckte Heinrich Hertz in der badischen Metropole die elektromagnetischen Wellen - Basis für Funktechnik und Telegrafie. Übertragung von Schrift und Sprache auf elektronischem Wege.

So zeigt ein zweiter, ebenso interessanter Teil der ZKM-Schau unter dem Leitwort "Von Hertz zum Handy" die technische Entwicklung der Kommunikation, die durch das Internet noch einmal rasend an Geschwindigkeit zugelegt hat. Heute ist der Mensch so mobil wie nie zuvor. Wie soll das weitergehen? Elektroautos, wie sie in einigen Jahrzehnten Standard sein werden, gab es bereits zur Zeit von Carl Benz. Und wo die digitale Revolution einmal enden wird, weiß heute kein Mensch. Das ist dann wieder Stoff für Philosophen und Künstler.


Die Ausstellung "Car Culture - Medien der Mobilität" ist bis 8. Januar 2012 im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr.