TV-Tipp: "Ein unverbesserlicher Dickkopf" (ARD)

TV-Tipp: "Ein unverbesserlicher Dickkopf" (ARD)
Pelkofer hat sich im Lauf der Jahre zum Grantler entwickelt, der selbst jene vor den Kopf stößt, denen an ihm liegt. Fritz Wepper verleiht dem arbeitslosen Gärtner-Ekel einen Charme, der nicht vielen gelingt.

"Ein unverbesserlicher Dickkopf", Freitag, 8. Juli, 20.15 Uhr in der ARD

Einst hat es das Leben wirklich gut gemeint mit dem Kölner Gärtner Balthasar Pelkofer. Aber dann bekam seine Frau Krebs, und weil er seiner Tochter das Leid ersparen wollte, schickte er sie aufs Internat; das hat ihrer Beziehung nicht gut getan. Seit vor einiger Zeit auch noch ein Gartencenter eröffnet wurde, geht es zudem mit dem Betrieb bergab. Und so hat sich Pelkofer im Lauf der Jahre zum Grantler entwickelt, der selbst jene vor den Kopf stößt, denen an ihm liegt.

Selbstredend gibt es nur einen, der diese Rolle des charmanten Ekels spielen kann wie kein anderer: Wie schon so oft gelingt es Fritz Wepper scheinbar mühelos, den egozentrischen Witwer bei aller Kantigkeit mit einem Rest Sympathie auszustatten. Natürlich muss es das Ziel der Geschichte (Buch: Sophia Krapoth) sein, den Eigenbrötler von seiner rauen Schale zu befreien. Dafür aber wird er erst mal gründlich demontiert: Pelkofer schließt seine Gärtnerei und hat nun mehr Zeit, als Tochter Maxi (Jasmin Schwiers) lieb ist, zumal er sich auch noch in ihre Beziehung zu Paul (Wanja Mues) einmischt, einem Tierschützer, der Pelkofer als Vegetarier von Anfang an suspekt ist.

Das schafft nur Fritz Wepper

Außerdem muss der nun arbeitslose Gärtner, der in seiner Verzweiflung sogar vorübergehend beim verhassten Konkurrenten anheuert, auch aus seinem Haus raus, nistet sich aber in der Einliegerwohnung ein. Tatsächlich findet sich ein Paar, das die Villa trotzdem mietet, und es bringt eine geschiedene Mutter (Angela Roy) mit, der dieser kantige Kerl imponiert. Man kommt sich näher und verbringt ein gemeinsames Wochenende in der Eifel. Doch obwohl Annette und Balthasar mehr als nur Zuneigung verbindet, springt der zündende Funke nicht über.

Gerade für einen Film der ARD-Tochter Degeto inszeniert Regisseur Michel Faust die Handlung überraschend flott. Die Dialoge sind bissig und die jungen Darsteller nicht bloß schmückendes Beiwerk. Aber die besten Szenen hat natürlich Wepper, der seinen Gärtner selbst dann noch mit Würde versieht, wenn er sich komplett daneben benimmt und Maxi vor den Mitstreitern ihres Freundes blamiert. Dass man die Figur dann trotzdem noch mag: Das schafft nur Fritz Wepper.

 


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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