Lutheraner-Präsident fordert Ende der Regimes in Nahost

Lutheraner-Präsident fordert Ende der Regimes in Nahost
Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, hat ein Ende der autokratischen Herrschaftsformen in Nahost und Nordafrika gefordert. "Die arabischen Aufstände zeigen, dass die Zeit reif ist für offene, moderne Gesellschaften in der Region", sagte der palästinensische Theologe in einem epd-Gespräch in Genf. Herrscher wie Syriens Präsident Baschar al-Assad müssten auf die Opposition in ihren Ländern zugehen.

Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land rief alle Beteiligten auf, offen über politische Reformen und die Einhaltung der Menschenrechte zu diskutieren. "Der Dialog ist der einzig gangbare Weg." Die Opposition in Syrien sei trotz des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte bereit für den Dialog mit dem Assad-Regime, sagte der in Jerusalem residierende Theologe.

Er verurteile die Gewalt die Assad, Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi und andere arabische Herrscher gegen ihre eigene Bevölkerung einsetzten. "Das ist ein Teufelskreis, Blut bringt mehr Hass und mehr Extremismus und wieder Blut", betonte der Präsident des Lutherischen Weltbundes, der 145 Kirchen mit rund 70 Millionen Gläubigen repräsentiert. Gleichzeitig forderte Younan die christlichen Kirchen in Syrien auf, lautstark gegen die Gewalt in ihrem Land protestieren. "Bislang habe ich von ihnen nichts gehört."

Keine Zustimmung zu gewaltsamem Eingreifen

Skeptisch zeigte sich der Bischof hingegen gegenüber militärischen Interventionen, um Gewaltherrscher wie Gaddafi zu stürzen. Man müsse dabei nach den Motiven der intervenierenden Mächte fragen. Zudem sei nicht sicher, ob die einfachen Menschen in Ländern wie Libyen von den Militäraktionen profitierten. Die US-Invasion im Irak 2003 und der Sturz des Diktators Saddam Hussein hätten dem Land bis heute keine funktionierende Demokratie und keinen Frieden gebracht.

Die palästinensische Regierung, die ihren Sitz im Westjordanland hat, lobte Younan hingegen. Präsident Mahmud Abbas lege die Grundlagen für einen modernen und freiheitlichen Palästinenserstaat. "Die Autonomiebehörde garantiert Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Religionsfreiheit." Zudem habe sie die Kirchen eingeladen, an einer Verfassung für einen Staat Palästina mitzuwirken. Zudem gehe die Behörde sehr transparent mit Hilfsgeldern der Staatengemeinschaft um.

epd