US-Prediger bleibt dabei: Weltende am Samstag

US-Prediger bleibt dabei: Weltende am Samstag
Der amerikanische Rundfunkprediger Harold Camping hält trotz Spott und Kritik an seiner Prognose fest, der Weltuntergang komme am Samstag, dem 21. Mai. Seine "Voraussage" belebt auch die aktuelle Diskussion über die Hölle in den USA.

Aufgrund ihres Glaubens errettete Christen kämen dann in den Himmel, Nichtgläubige hätten entsetzliches Leiden zu erwarten, beginnend mit massiven Erdbeben jeweils um 18 Uhr Ortszeit, sagte der 89-jährige Prediger aus Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien. Camping will den Stichtag für den Weltuntergang anhand von biblischen Zahlen und Daten ausgerechnet haben.

Religionswissenschaftler und Pastoren haben Camping scharf attackiert. Camping predige eine Irrlehre, sagte der baptistische Theologe Albert Mohler. Im Matthäus-Evangelium heiße es doch ganz klar, dass nicht einmal Jesus Christus den Zeitpunkt des Endes kenne, nur Gott, der Vater. Das Ende der Welt fasziniere viele Menschen, kommentierte der Ethikprofessor Miguel De La Torre von der methodistischen Iliff School of Theology in Denver (Colorado).

"Heiden" planen Partys für Samstagabend

Camping verbreitet seine Endzeitbotschaft weltweit im Rundfunk und im Internet sowie mit Hilfe von Missionsteams. Seine als gemeinnützig anerkannte Firma "Family Radio" verfügt über Dutzende Radiosender im In- und Ausland. Die kalifornische Zeitung "Contra Costa Times" (Walnut Creek) hat diese Woche die Steuererklärungen von "Family Radio" ins Internet gestellt. Der Konzern habe in den vergangenen sieben Jahren mehr als 100 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Vor allem in letzten Monaten seien viele Spenden eingetroffen, sagte Campings Mitarbeiter Tom Evans der "Times."

Endzeitthesen finden im US-amerikanischen Protestantismus seit Jahren Anhänger. Umfragen zufolge glaubten mindestens 30 Prozent der US-Bürger, die Welt werde zu ihren Lebzeiten untergehen, sagte der Endzeitexperte Daniel Wojcik von der University of Oregon dem epd. Campings Prognose hat aber auch viel Spott geerntet. Vielerorts haben "Heiden" für Samstagabend Weltuntergangspartys geplant.

Ist Osama bin Laden in der Hölle?

Campings Prophezeihung belebt aktuelle das Gesprächsthema "Hölle" in den USA. Nach Schätzung des Predigers kommen nur 200 Millionen Menschen in den Himmel, er selbst eingeschlossen. Der Rest landet in der Hölle. Dort vermuten laut einer Umfrage 61 Prozent der US-Bürger auch Osama Bin Laden. Der Terrorchef erleide nun im "ewigen Feuer", in dem die Verdammten landen, seine gerechte Strafe. Zehn Prozent waren nicht dieser Ansicht, der Rest war sich nicht sicher oder glaubte nicht an die Existenz der Hölle.

Zudem sorgt ein neues Buch über die Hölle für großes Aufsehen im protestantischen Amerika: "Love Wins" (Liebe siegt) rangiert weit oben auf den Bestsellerlisten. In dem Werk stellt Rob Bell, Pastor der evangelikalen Megakirche "Mars Hill Bible Church" in Grand Rapids (US-Staat Michigan), die Lehre von der ewigen Verdammnis infrage. Jesus habe das Tor zum Himmel vielmehr "weit aufgestoßen", Erlösung sei immer möglich.

Das Bild von der Hölle ist tief verankert in vielen Erweckungspredigten. Denn die Bösen werden am Ende der Welt von den Gerechten getrennt und in einen Feuerofen geworfen, interpretieren einige Prediger die Aussagen der Bibel. "Am Ende der Zeiten werden die Gerechten in der Gegenwart Gottes ewige Glückseligkeit erlangen, und die Bösen werden zum ewigen Tod verurteilt werden", fasst das führende evangelikale US-Magazin "Christianity Today" zusammen.

Drohung mit der Hölle ist verbreitet

In den USA ist der Glaube an die Hölle weit verbreitet. Bei einer Umfrage 2008 unter 36.000 US-Amerikanern erklärten 59 Prozent, sie glaubten an die Existenz der Hölle. Unter Evangelikalen waren es 82 Prozent. 74 Prozent der Befragten glaubten an einen Himmel. Nach Ansicht der Religionswissenschaftlerin Kathryn Gin von der Princeton Universität haben die Amerikaner aufgrund ihrer Geschichte eine ganz besondere Haltung zur Hölle.

Das Konzept von dem furchtbaren Ort sei schon zu Beginn der Republik, die sich nicht auf kulturelle Identität gründe, sondern auf ein rechtschaffenes Bürgertum, als eine Art Bremsmechanismus betrachtet worden gegen "soziales Chaos". Noch heute stehe die "Drohung mit der Hölle" im Hintergrund vieler gesellschaftlicher Konflikte, schrieb Gin jüngst in einem Aufsatz, besonders bei Abtreibung und Homo-Ehe.

Eine Erhebung des Pew-Instituts brachte ein ähnliches Ergebnis: 65 Prozent erklärten, Bin Laden sei in der Hölle. 80 Prozent der Evangelikalen seien sich dessen ewiger Verdammnis sicher, sowie zwei Drittel der Katholiken und der moderaten "mainline" Protestanten. Auch knapp die Hälfte der Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit stimmten dem zu.

Wäre das eine "gute Nachricht"?

Die Vorstellung einer Hölle ist jedoch nicht unumstritten. Liberale Theologen könnten mit der Hölle nichts anfangen, bezweifelten ihre Existenz und widersetzten sich so der biblischen Lehre, kritisierte der baptistische Theologe Albert Mohler. Die Kritik zielt auch auf Rob Bell und sein Buch "Love Wins", in dem er Zweifel an dieser Lehre anmeldet, mit der er selber aufwuchs.

Bell zufolge kann es doch nicht die "gute Nachricht" des Evangeliums sein, dass nur einige wenige Auserwählte aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus in den Himmel kommen, und Milliarden auf Ewigkeiten in der Hölle brennen. Jesus sei "viel umfassender als eine Religion", fügte Bell hinzu.
Bell finde auch Zustimmung bei Christen, "die die Bibel ernst nehmen, aber es sich nicht vorstellen können, dass ihre säkularen Freunde nicht in den Himmel kommen", kommentierte die "New York Times".

Zudem steigt in den USA die Zahl der Atheisten und Agnostiker sowie der Anhänger nicht-christlicher Religionen. Rund 15 Prozent der US-Amerikaner haben nach eigenen Angaben "keine Religion." Evangelikale Christen wie Mohler wollen diese Menschen bekehren - auch um ihnen die Hölle zu ersparen. Für diese Traditionalisten ist Bell ein Ketzer, wie es in manchen Blogs heißt.

epd

 

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