Filmtipps: Diese Woche neu im Kino

Filmtipps: Diese Woche neu im Kino
Die Redaktion von "epd film" hat die Filme der Woche ausgesucht. Darunter sind die restaurierte Fassung eines Klassikers, zwei Jugenddramen und eine Formel-1-Dokumentation.

Geliebtes Leben (Deutschland/Südafrika 2010)

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Im südafrikanischen Dorf Elandsdoom spricht niemand über Aids. Gleich zu Beginn des Films muss die zwölfjährige Chanda einen Sarg für ihre kleine Schwester Sara aussuchen. Der Vater ist spurlos verschwunden. Als dann auch noch ihre Mutter erkrankt, muss sie sich alleine um ihre beiden Geschwister kümmern. Im Dorf werden sie gemieden. Doch Chanda kämpft - sie entschließt sich Fragen zu stellen und das Schweigen zu brechen. Regisseur Oliver Schmitz adaptiert für seinen Film das 2004 veröffentlichte Jugendbuch des kanadischen Schriftstellers Allan Stratton "Worüber keiner spricht", das auf das Schicksal der zahlreichen Aids-Waisen Afrikas aufmerksam machen will.

R: Oliver Schmitz. B: Dennis Foon, Oliver Schmitz (nach dem Roman »Worüber keiner spricht« von Allan Stratton). Mit: Khomotso Manyaka, Keaobaka Makanyane, Lerato Mvelase, Harriet Manamela. L: 106 Min. FSK: ab 12, ff.

Senna (Großbritannien/Frankreich/USA 2010)

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Der brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna hatte bereits früh verstanden, sich die Medien zunutze zu machen, um sein Image als Underdog und Gerechtigkeitskämpfer gegen den Filz der übermächtigen Europäer im internationalen Rennzirkus zu kultivieren. In seinem Rennfahrerporträt durchbricht Asif Kapadia das herkömmliche Dokuschema von Talking Heads und Archivaufnahmen und entwickelt stattdessen aus dem Archivmaterial einen Erzählfluss – begleitet durch die Offkommentare von Sennas Schwester, seinen Weggefährten und Formel-1-Experten. Senna bleibt eine gebrochene Persönlichkeit: ein tief religiöser Fahrer, der glaubte, dass sein Gottvertrauen ihn unbesiegbar machte. Ein Hoffnungssymbol für die verarmte brasilianische Bevölkerung. Aber auch ein Heißsporn, der sich – und andere Fahrer – mit gewagten Manövern immer wieder in Gefahr brachte.

R: Asif Kapadia. Mitwirkende: Ayrton Senna, Alain Prost, Frank Williams, Ron Dennis. L: 104 Min. FSK: ab 6, ff.

Utopia Ltd. (Deutschland 2011)

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In diesem engagierten Dokumentarfilmdebüt geht es um die blutjunge Band 1000 Robota. Die Jungs sind alle zwischen 17 und 18 Jahre alt, kämpfen mit dem Abitur, mit der Ausbildung in der eigenen Plattenfirma Tapete Records und vor allem aber damit, sich selbst zu definieren. 1000 Robota sprechen aus, was viele Jugendliche bewegt, die dieselbe Musik hören wie ihre Eltern, womöglich auch noch dieselben Turnschuhe tragen und dieselben Filme mögen. Ihre Eltern finden jegliche pubertäre Befreiungsschreie lediglich "süß". Wenn Widerstand gegen eine ältere Generation nicht mehr möglich ist, muss man andere Wege der Selbstermächtigung suchen – davon handelt dieser Film und auch die Songs der 1000 Robota.

R, Sch: Sandra Trostel. B: Sandra Trostel, Thies Mynther. L: 90 Min. FSK: ab 6, ff.

Metropolis (D 1927/restauriert 2010)

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In der erstmals nahezu wiederhergestellten Originalfassung von Fritz Langs Sci-Fi-Klassiker aus dem Jahre 1927 führt einer der einflussreichsten Regisseure des letzten Jahrtausends in die Welt der futuristischen Stadt Metropolis. Der Sohn des Regierenden, Freder, verliebt sich in die Arbeiterführerin Maria und muss mit ihrer Hilfe den Untergang der Stadt verhindern. Als am 10. Januar 1927 Metropolis nach seiner Premiere durchfiel, konnte keiner seiner Macher den späten Ruhm des Filmes ahnen, der seit 2001 sogar zum Weltdokumentenerbe gehört. Metropolis kann auch heute noch jenseits von Kitsch und Sentimentalität faszinieren: wie ein Schwamm saugt Metropolis vieles von dem auf, was das 20. Jahrhundert prägte oder wovor das Jahrhundert sich fürchtete – in einem Ineinander aus Moderne und Archaik, Erfindungen und Zitaten, Fortschrittlichem und Reaktionärem.

R: Fritz Lang.

epd