Klimaschutz: Die Welt wartet, taktiert und streitet weiter

Klimaschutz: Die Welt wartet, taktiert und streitet weiter
Ist das Klima noch zu retten? Nach der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in dieser Woche in Bangkok sieht es düster aus. Die Fronten zwischen Industriestaaten und Entwicklungs- und Schwellenländern sind verhärtet. Aber auch untereinander sprechen die Blöcke immer so ganz mit einer Stimme.

Christiana Figueres ist frustriert. Immer wieder fallen der Chefin des UN- Klimasekretariats (UNFCCC) bei ihrer Abschlusspresskonferenz am Ende der sechstägigen Klimakonferenz in Bangkok die Mundwinkel runter. Die Diplomatin hat nichts Positives zu verkünden. Auch wenn sie sich noch sehr bemüht, aus dem offensichtlichen Scheitern der Vorbereitungskonferenz für die große internationale Klimakonferenz im November im südafrikanischen Durban doch noch so was wie Erfolg herauszuwringen. "Ich habe hier in Bangkok kein Land erlebt, dass nicht eine neue Verpflichtungsperiode (des Kyoto-Protokolls) will. Auch wenn nicht jedes Land dieser beitreten würde."

Geschraubter kann man nicht ausdrücken, worüber es in Bangkok – mal wieder – ging und worüber es keine Einigung gab. Nicht einmal eine Verständigung über die den Diskussionsrahmen für die sieben Monate bis Durban über das zentrale Thema "Verlängerung des Kyoto-Protokolls oder Ersatzabkommen" wurde erreicht. Das internationale Klimaabkommen läuft 2012 aus.

Das Kyoto-Abkommen spaltet die Welt

Die Diskussion darüber wird seit der Klimakonferenz von Bali vor drei Jahren erbittert geführt. An den Pro und Contra und Argumenten hat sich seitdem nichts geändert. Länder wie Russland und Japan wollen nur dann einem Kyoto 2 zustimmen, wenn alle großen Volkswirtschaften einbezogen sind. Der geltende Vertrag schreibt den Industrieländern verbindliche Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen vor, nicht aber Entwicklungs- und Schwellenländern wie China. Die USA als größter Produzent von Treibhausgasen haben das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben.

Die USA beteuern, nicht gegen Kyoto zu sein, aber sie finden, sie selbst und der Rest der Welt könnten auch ganz gut ohne einen rechtlich verbindlichen internationalen Klimavertrag leben. Es reiche aus, wenn die einzelnen Länder den Kampf gegen den Klimawandel durch nationale Klimagesetze kämpfen würden.
Die EU ist zu einem Kyoto 2 bereit, "wenn die Bedingungen stimmen", erklärte EU-Klimaunterhändler Artur Runge-Metzger in Bangkok. Ganz abhold scheint aber die EU gegenüber der amerikanischen Idee nicht zu sein. "Ich gratuliere China dazu, den Kampf gegen den Klimawandel in den neuen Fünfjahresplan aufgenommen zu haben", sagt Metzger-Runge, fügt aber hinzu: "Aber jetzt muss man erst mal sehen, wie das umgesetzt wird."

Abwarten, taktieren, streiten um Kleinkram, das frustriert auch Dessima Williams. Die Vorsitzende der "Allianz der kleinen Inselstaaten" (AOSIS) klagt: "Hier wird soviel Zeit auf Verfahrensfragen verschwendet. Wir müssen endlich konkret werden und darüber reden, wie wir ambitionierte Ziele erreichen." Die Klimapolitikerin aus dem karibischen Inselstaat Grenada macht deutlich, was das für AOSIS heißt: Verlängerung des Kyoto-Protokolls, die Verpflichtung; Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad statt der bisher anvisierten 2 Grad; Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 20 – 40 Prozent. "Für uns sind die Klimaprobleme längst Realität", betont Williams.

Nach Bankgok kommt Bonn

Von Bangkok zieht der Klimakonferenzzirkus weiter. Das nächste Gastspiel findet in Bonn statt. Auf der Vorbereitungskonferenz für den Showdown in Durban werden im Juni die entscheidenden Weichen für die Klimazukunft des Planten gestellt. Figueres forderte die Streithähne auf, jetzt die "Ärmel hochzukrempeln und sich an die Arbeit zu machen".

Vielleicht aber hilft auch beten. Buddhistische Mönche hatten am Freitag, dem letzten Tag Klimakonferenz, Christiana Figueres eine "Interreligiöse Deklaration zum Klimawandel" überreicht. Darin wird der Klimawandel als "in seinem Kern ein moralisches, kulturelles und ideelles Problem" bezeichnet. Aber selbst die Geistlichen der großen Weltreligionen zeigen sich überzeugt, dass die Lösung des Problems nur dann gelingen kann, wenn die Politiker die harten wissenschaftlichen Fakten endlich ernst nehmen: " Wir... rufen unsere Regierungen auf, strenge, bindende, wissenschaftsbasierte Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase zu beschließen."


Michael Lenz ist freier Korrespondent in Asien.