Einsatz für andere: Die Freiwilligen von Fukushima

Einsatz für andere: Die Freiwilligen von Fukushima
Fast alle Berichte aus der Krisenregion in Japan drehten sich in den letzten Tagen um die Frage, ob der Supergau noch zu verhindern ist. Dabei richten sich die Hoffnungen auf 50 Ingenieure und Arbeiter, die in den Kontrollräumen der zerstörten Atomreaktoren geblieben sind. Sie wollen das Unmögliche möglich machen. Sie riskieren sogar ihr eigenes Leben. Jetzt sollen sich zwanzig weitere Freiwillige gemeldet haben. Pfarrer Christoph Busch hat nachgefragt.

Mit wem auch immer ich in den letzten Tagen gesprochen habe, ich habe sie gefragt: "Würden Sie auch zur Verfügung stehen?" "Ja", sagt ein Mitarbeiter der Japanischen Schule, "ich würde gerne gehen. Aber ich lebe zurzeit in Frankfurt." Und ein Mann von der Berufsfeuerwehr findet es toll, dass die 50 von Fukushima einfach dienen. Aber er sagt auch: "Ich würde niemals freiwillig dahin gehen. Japaner haben eine andere Mentalität."

"Ja – aber", antworten viele und das ist nicht einmal feige. Denn alle wissen, dass die Strahlenbelastung für jeden zu hoch ist im zerstörten Atomkraftwerk. Todgeweihte hat man die 50 genannt, die wir nicht sehen. Wir kennen sie nicht. Wir können ihren Kampf nur ahnen. "Das ist die reine Verzweiflung", sagt ein Lehrer. Und mein Nachbar meint, er würde seinem Sohn abraten, dorthin zu gehen, aber: "Ich werde ihn nicht festhalten."

Muss man nicht auch auf sich selbst aufpassen, wenn man anderen hilft? Für mich gibt es da eine Grenze, wie bei dem Team von Helfern aus Deutschland, die gleich nach ihrer Ankunft in Japan wieder umgekehrt sind. Sie sagten: die eigene Gefährdung war zu groß. Was motiviert Menschen, trotzdem in der atomaren Hölle zu bleiben? Opfern sie sich für eine außer Kontrolle geratene Technik? Ich finde, für völlig überhitzte Brennelemente im sogenannten Abklingbecken muss sich kein Mensch opfern.

Aber dann: die vielen Menschen! Atomare Strahlung könnte sich bis in den Raum Tokio erstrecken mit seinen 36 Millionen Einwohnern. Sind nicht alle Anstrengungen richtig und eigene Opfer auch, um das Schlimmste zu verhindern? Vielleicht kann man es doch verhindern.

"Dein Wille geschehe", heißt es im "Vater unser"-Gebet der Christenheit. Das bedeutet nicht: Menschen sollen sich passiv in ihr Schicksal zu ergeben. Das ist ein Wunsch, es ist eine Hoffnung. Gott, dein guter Wille geschehe! Damit Menschen bewahrt bleiben und nicht ausgeliefert werden an todbringende Strahlung.

Die, die ich fragte, sehen es so: Die 50 von Fukushima kämpfen dafür, dass aus dem schlimmen Unglück nicht ein noch größeres Unglück entsteht. Ich hoffe heute mit ihnen und bete: ihr Kampf für das Leben soll um Gottes willen nicht vergeblich sein.


 

Christoph Busch ist Pfarrer in Frankfurt am Main. Seine Andacht wurde als "Zuspruch" am 19. März 2011 in hr1 gesendet.