Mit oder ohne Oscar: Deutsche haben Grund zu Feiern

Mit oder ohne Oscar: Deutsche haben Grund zu Feiern
Der rote Teppich vor dem Kodak Theatre ist ausgerollt. Vier deutsche Oscar-Anwärter durften ihn in diesem Jahr betreten. Das allein ist für sie Grund zum Feiern. In der Nacht zum Montag werden die begehrten

Mit oder ohne Oscar: Die deutschen Kurzfilmer Jakob Schuh (34) und Max Lang (28) fühlten sich schon vor der Trophäenverleihung als Gewinner. "Wir sind hier in Los Angeles, um die Nominierung zu feiern, nicht um den Preis abzuholen", erzählt Schuh beim traditionellen Empfang für die deutschsprachigen Oscar-Anwärter in der Villa Aurora, wo einst der Schriftsteller Lion Feuchtwanger lebte. Dort konnte der Trickfilmkünstler am Samstag noch lässig blaue Turnschuhe tragen, bevor es 24 Stunden später auf dem roten Teppich ernst wurde.

Vor einem Jahr waren "Inglourious Basterds"-Star Christoph Waltz, Michael Haneke mit "Das weiße Band" und Filmkomponist Hans Zimmer mit der Musik für "Sherlock Holmes" die "german speaking" Stars in Hollywood. Oscar-Preisträger Zimmer ("Der König der Löwen") ist jetzt mit "Inception" zum neunten Mal dabei. Der Münchner Stephan Trojansky (36) holte mit bahnbrechenden Special Effects 2008 einen Technik-Oscar, jetzt winkt dem Wahlkalifornier für die künstliche Tsunamiwelle in Clint Eastwoods "Hereafter" ein «richtiger» Oscar.

Coppola-Wein zur Beruhigung

Schuh und Lang sind mit dem Kinderbuch-Monster "The Gruffalo" ("Der Grüffelo") in der Sparte "animierter Kurzfilm" im Rennen. Der Oscar-Rummel ist ihnen noch völlig fremd, doch Oscar-Preisträger Florian Gallenberger ("John Rabe") hat einen Tipp, wie man die Nerven am Abend zuvor beruhigt. "Wir haben mehrere Flaschen von Francis Ford Coppolas Weingut getrunken, mit der festen Überzeugung, das würde Glück bringen, das kann ich empfehlen", blickt er auf die Oscars 2001 zurück. Gallenbergers Kurzfilm "Quiero Ser" über mexikanische Straßenkinder holte damals prompt Gold.

Erst auf den letzten Drücker habe er sich beim Smoking-Verleiher eingekleidet, gesteht Trojansky. Dafür hat er schon die Benimmvorschriften der Academy studiert. "Da steht sogar drin, was passiert, wenn man während der Show auf die Toilette muss", grinst der Effektemacher. Dann würden Platzhalter sofort den leeren Sitz belegen, damit die TV-Kameras ein volles Bild zeigen. Natalie Portman und Nicole Kidman habe er schon vorab beim Lunch der Nominierten gesehen, schwärmt Trojansky. "Den Gang über den roten Teppich werde ich in vollen Zügen genießen. Egal, ob es am Ende den Oscar gibt, das ist jetzt schon der Höhepunkt unserer Karriere".

Kein Umzug nach Hollywood

Für Jakob Schuh war ein Handschlag von Disney-Zeichner Glen Keane eines der Highlights seiner Oscar-Reise. "Das ist einer der größten Stars in unserem Job", strahlte Schuh, der mit seinem Kollegen Lang vor dem Countdown zum Oscar Non-Stop durch die amerikanischen Animationsschmieden gereicht wurde. Ein Umzug nach Hollywood steht aber nicht bevor, versichert Schuh.

Der Oscar habe ihm beruflich natürlich geholfen, erzählt Gallenberger. Zuletzt brachte er das historische Kriegsdrama "John Rabe" in die Kinos, das beim Deutschen Filmpreis 2009 als bester Spielfilm mit der Goldenen Lola ausgezeichnet wurde. Privat sei aber alles gleichgeblieben, er sei sogar noch mit derselben Frau zusammen, witzelt der Regisseur. "Es ist ganz wichtig, dass man sich nicht in eine total andere Welt katapultieren lässt", rät der Oscar-Gewinner.

Elton Johns Charity-Party

Ausgenommen natürlich in der Oscar-Nacht. Das Studio Warner Bros. habe eigens eine Stretch-Limo für acht Stunden gechartert, strahlt Trojansky. Damit will er mit seinem Team von Party zu Party jetten. "James Franco hat uns in einen Superclub eingeladen, und Elton John zu seiner Charity-Party gleich nach dem Governors Ball", trumpft er auf. Die ganze Nacht werde gefeiert, mit oder ohne Oscar.

dpa