Suizidprävention: Aus dem Knast den Seelsorger anrufen

Suizidprävention: Aus dem Knast den Seelsorger anrufen
Mit Hilfe von Seelsorge per Telefon soll in Niedersachsen die Zahl der Suizide in Gefängnissen vermindert werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft seit zehn Monaten in vier niedersächsischen Haftanstalten.

"In extremen Lebenssituationen, wie es die Inhaftierung ist, kann geistiger Beistand sehr wichtig sein", sagte Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) am Dienstag in Hannover.

Seit März 2010 können hier Untersuchungshäftlinge in den ersten 14 Tagen ihrer Haft nachts in ihrem Haftraum mit einem Gefängnisseelsorger telefonieren. Nach Angaben von Busemann werden mehr als die Hälfte der Suizide von Gefangenen in der Untersuchungshaft und in der ersten Haftzeit begangen. Während der U-Haft dürfen Gefangene keine unkontrollierten Kontakte nach außen haben. Geplant ist, das Projekt auf weitere Haftanstalten auszuweiten.

Häftlinge haben nach Angaben des Justizministeriums ein bis zu sechsfach höheres Risiko für eine Selbsttötung als Nichtinhaftierte. Die Zahl der Suizide in Gefängnissen schwankt bundesweit zwischen 94 im Jahr 2004 und 61 in 2009. In Niedersachsen nahmen sich 2010 sechs Häftlinge das Leben.

epd