"Es wird fantastisch": Vorfreude auf Kirchentag in Dresden

"Es wird fantastisch": Vorfreude auf Kirchentag in Dresden
Die Protestanten fahren in diesem Jahr an die Elbe: Der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 1. bis 5. Juni in Dresden statt. Die Veranstalter rechnen mit rund 100.000 Dauergästen. Hohe Erwartungen begleiten die Vorbereitungen.
29.12.2010
Von Katharina Rögner

Vier Tage unterrichtsfrei im Juni: Den Schülern in Dresden und Umgebung beschert der Kirchentag 2011 ein langes Wochenende ohne Lehrer und Stundenplan. Ihre Klassenzimmer werden Schlafplatz für 40 Prozent der rund 100.000 Dauerteilnehmer. Mindestens 20.000 Teilnehmer werden allerdings täglich bis zu 50 Kilometer lange Anfahrtswege auf sich nehmen müssen und in Schulen zwischen Altenberg, Freiberg und Bautzen untergebracht. Zusätzlich suchen die Veranstalter rund 10.000 Privatquartiere. Die Werbung hierfür beginnt im Januar.

"Sachsen zieht an, es wird fantastisch", ist der Geschäftsführer des Dresdner Kirchentags, Volker Knöll, überzeugt. Schon jetzt gebe es mehr Anmeldungen als 2007 in Köln oder 2009 in Bremen. In Ostdeutschland ist der bundesweite Kirchentag seit 1990 erst zum zweiten Mal überhaupt zu Gast. 1997 trafen sich die Protestanten ebenfalls in Sachsen, damals in Leipzig.

Religiöse Diskussion vorantreiben

Auf dem Programm stehen rund 2.000 Veranstaltungen unter dem Motto "... da wird auch dein Herz sein". Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, hauptberuflich Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin, erwartet eine Belebung der Debatte über Glauben und Gott. "Unser Kirchentag im Juni und der Papstbesuch im September werden die Diskussion über das Religiöse vorantreiben", sagt sie. Mehr als 120 Orte entlang der Elbe, darunter 43 Kirchen sowie 17 Areale unter freiem Himmel, sind dafür vorgesehen. Auf mehr als vier Kilometern Länge ziehen sich die Programmangebote von der Messe bis zum Deutschen Hygiene-Museum am Großen Garten.

Wie in Bremen mangelt es in Dresden an großen Veranstaltungsorten. Das sei aber kein Problem, sondern mehr eine "Chance für stark emotional geprägte, sehr persönliche Erlebnisse", versichert Knöll. In den nächsten Wochen wollen die knapp 100 Mitarbeiter der Kirchentagsgeschäftsstelle "das Programm in Form gießen". Mitte März soll es druckfertig sein.

Hohe Sicherheitsanforderungen

Gefeilt wird auch am Sicherheitskonzept. Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade, wo bei der Massenpanik im Juli 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden, werden die Besucherwege nochmals überprüft. Immerhin werden allein zur Auftaktveranstaltung am 1. Juni auf dem Neu- und Altmarkt sowie am Elbufer rund 350.000 Besucher in der Innenstadt erwartet.

Maßstäbe werde das Kulturprogramm des Kirchentags setzen, stellt Generalsekretärin Ellen Ueberschär in Aussicht. In allen Bereichen gebe es neue Rekorde bei den Anmeldungen und Bewerbungen. Beteiligt sein werden an den rund 1.000 kulturellen Veranstaltungen mehr als 18.000 Profis und Laien. Allein knapp 9.000 Bläser und Sänger, darunter 2.100 aus Sachsen, hätten ihre Teilnahme zugesagt.

Schlussgottesdienst an der Elbe

Für den Abschlussgottesdienst am 5. Juni wollen die Veranstalter eine Bühne auf und an der Elbe aufbauen. Die Besucher könnten dann das Ereignis von beiden Seiten des Flusses verfolgen. Die Ausführung ist allerdings vom Elbpegel abhängig. Generalsekretärin Ueberschär setzt auch für dieses Vorhaben auf Gottvertrauen.

Insgesamt wird das fünftägige Protestantentreffen rund 14 Millionen Euro kosten. Davon tragen das Land 5,5 Millionen, die Stadt zwei Millionen, die evangelische Landeskirche eine Million Euro und der Bund 400.000 Euro. Dass sowohl die in Sachsen mitregierende FDP als auch die Linkspartei die Höhe der Landeszuschüsse kritisierten, hält Geschäftsführer Knöll für "total okay" und "kein Stück weit neu". Schließlich müsse erklärt werden, was mit den Steuergeldern passiert. Für den sächsischen Landesbischof Jochen Bohl ist der Kirchentag angesichts der zu erwartenden Einnahmen durch die zahlreichen Besucher für die gesamte Region der "klassische Fall einer Zukunftsinvestition".

epd