Sankt Martin: Laternelaufen und knusprige Gänse

Der Martinstag am 11. November erinnert an den im November des Jahres 397 gestorbenen Bischof Martin von Tours.

© epd-bild / Rolf Zöllner

Martinsumzug der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord in Berlin am Martinstag. Der Martinstag am 11. November erinnert an den im November des Jahres 397 gestorbenen Bischof Martin von Tours.

Sankt Martin: Laternelaufen und knusprige Gänse
Heiligenverehrung ist dem Protestantismus zwar fremd, aber am Martinstag ziehen auch evangelische Kinder mit bunten Lampions und leuchtenden Augen durch die Straßen. Bischof Martin von Tours (316-397) ist einer der populärsten Heiligen der Kirchengeschichte. An Martini, dem 11. November, begann früher die 40-tägige Adventsfastenzeit. Aber was hat es mit den Gänsen auf sich?

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Sie sind ein untrüglicher Bote dafür, dass die Tage immer kürzer werden: die Kinder, die am Abend Laterne laufen und dabei laut singen: "Dort oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir ". Was Ende Oktober beginnt, hat am Martinstag, dem 11. November, seinen Höhepunkt: Bei Martinsumzügen führt oft ein als heiliger Martin verkleideter Reiter den Zug an, getreu der Laternenliedzeile "Der Martinsmann, der geht voran, rabimmel, rabammel, rabumm".

"Mit unserem Martinsumzug wollen wir den Menschen nahe bringen, wie wichtig es ist, zu teilen", sagt der katholische Pastoralreferent Herbert Wolf aus Hamburg und erklärt den Zusammenhang zwischen Laternelaufen und Martin so: "Der heilige Martin hat seinen Mantel mit dem Bettler geteilt, und wir wollen mit unserem Umzug Zeit und Wärme teilen."

Mantel mit frierendem Bettler geteilt

Der Legende nach soll der um 316 in Ungarn geborene Martin als 18-jähriger Soldat in einem strengen Winter hoch zu Pferd einen frierenden Bettler getroffen haben. Martin teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. In der darauffolgenden Nacht soll ihm Jesus im Traum erschienen sein, der das Mantelstück trug und sagte: "Was du diesem Bettler gegeben hast, das hast du mir getan." Als Bischof von Tours und Vorbild in der Nachfolge Christi ist Martin am 8. November 397 gestorben. Seine Beerdigung am 11. November wurde zu seinem Namenstag - dem übrigens auch der am 10. November 1483 geborene Martin Luther seinen Namen verdankt.

Grabmal des Heiligen Martin von Tours in der Krypta der Basilika Saint-Martin in Tours, Frankreich.

Der heilige Martin ist neben Nikolaus einer der wenigen Heiligen, deren Namenstage mit einem besonderen Fest begangen werden. Das hat nach Aussage des Kölner Theologen Manfred Becker-Huberti, langjähriger Sprecher von Kardinal Joachim Meisner, zum einen mit der "ungeheuren Popularität" des Heiligen zu tun und zum anderen mit der Terminierung seines Gedenktages.

So endete an Martini das bäuerliche Arbeitsjahr, die Ernte war eingefahren, die Weinlese und die Gänsemast beendet. Vor dem Hintergrund, dass noch bis ins 20. Jahrhundert hinein an Martini die 40-tägige Adventsfastenzeit begann, wurde am Vorabend ausgelassen gefeiert und gut gegessen, nicht zuletzt die Martinsgans. Der Legende nach waren es Gänse, die Martin durch ihr Schnattern verrieten. Um der Wahl zum Bischof von Tours zu entgehen, hatte er sich in einem Stall versteckt.

Kinder und Jugendliche gehen von Haus zu Haus

Während die Erwachsenen am Martinstag feierten, gingen die Kinder und Jugendlichen von Haus zu Haus, sangen Lieder und baten um Gaben, wie es in Adolf Dörings "Rheinische Bräuche durch das Jahr"
beschrieben steht. Nach diesem sogenannten Heischegehen, bei dem sie Fackeln, Kienspäne und auch geschnitzte Kürbisse mit Kerzen bei sich hatten, entzündeten die Jugendlichen ein Martinsfeuer. Das gab häufig Anlass für Streitereien zwischen verschiedenen Gruppen.

Um dem wilden Treiben Einhalt zu gebieten, versuchten Ende des 19. Jahrhunderts Martinskomitees, Vereine und Schulen das "Durcheinander der Kürbislaternen" durch den geordneteren Martinsbrauch des Laternegehens zu ersetzen. Auf einem Holzstich von 1860 sind auf dem Martinsfest in Düsseldorf bereits Papierlampions zu sehen.

Traditioneller Sankt-Martinsumzug am 7. November in der Eifel, wo Kinder mit Rüben-Laternen laufen. Die Lichterumzüge sind auch das Relikt alter, spätherbstlicher Feuer- und Lichtbräuche.

Neben diesen weltlichen Ursprüngen des Laternelaufens zu Sankt Martin gibt es noch die theologische Erklärung, die der Freiburger Volkskundler Werner Mezger vertritt. So war einst für den Martinstag als Schriftlesung ein Text aus dem Lukasevangelium verbindlich vorgeschrieben, dessen zentrale Aussage lautet: "Niemand zündet ein Licht an und setzt es in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit wer hineingeht, das Licht sehe." (Lukas 11,33).

"Brenne auf mein Licht"

Und da "das späte Mittelalter von einem ausgeprägten Schauverlangen durchdrungen war", sagt Mezger, "lag für die Laien am Martintag eigentlich nichts näher, als angeregt durch das Tagesevangelium das einprägsame Bild des Lichtes, das man vor den Menschen leuchten lassen solle, aufzugreifen und es in konkrete Handlungen umzusetzen."

Ob weltlich oder theologisch - im Mittelpunkt des Laternelaufens zu Sankt. Martin stehen Wärme und Licht. Was auch für die zehnjährige Louise aus Hamburg das Schönste am Laternelaufen ist, die dabei mit vielen anderen Kindern singt: "Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht, aber nur meine liebe Laterne nicht."

epd

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