50 Jahre Opec

50 Jahre Opec
Die Opec wird 50. Aber die einst so mächtige Organisation erdölexportierender Länder verfügt längst nicht mehr über das Ölpreis-Monopol. Konkurrenz bekommt das Schwarze Gold etwa durch erneuerbare Energien. Wohin also geht der Weg für das Kartell?
14.09.2010
Von Albert Otti, Miriam Bandar und Carola Frentzen

An einem Tag der Woche bleiben die Autos stehen, auf der Autobahn kann man Radfahren und Kinder bekommen Extra-Ferien. Ein Szenario der Vergangenheit, aus den Zeiten der Ölkrise in den 1970er Jahren? Nein, denn solche Maßnahmen könnten aus Expertensicht in Zukunft wieder Realität werden. Doch der Auslöser der damaligen Krise, die Organisation erdölexportierender Länder (Opec), hat den Ölpreis nicht mehr in der Hand. Sie fördert zwar noch ein Drittel des weltweit verfügbaren Erdöls und kontrolliert 80 Prozent der Reserven - dennoch blickt das mächtige Kartell mit Sitz in Wien zu seinem 50. Geburtstag an diesem Dienstag in eine ungewisse Zukunft.

Schwindende fossile Ressourcen bei steigender Nachfrage, Klimawandel, Finanzspekulationen und Konkurrenz von anderen Förderländern - das sind nur einige Faktoren, die heute auf den Ölpreis einwirken und ihn schwierig vorhersehbar machen. Für Experten gibt es zwei Szenarien: Unkontrollierbarer Anstieg oder ein Preisverfall.

Sinkende Nachfrage

Die 1960 von Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien und Venezuela gegründete Organisation mit heute 12 Mitgliedsländern (zusätzlich Algerien, Angola, Libyen, Nigeria, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Ecuador) könnte sich bald mit sinkender Nachfrage konfrontiert sehen, prognostiziert der ehemalige Opec-Chef und Öl-Experte Fadhil Chalabi. Ein weltweiter Trend zu erneuerbaren Energien, alternativen Antrieben und Gesetzen gegen die Klimaerwärmung mache die Länder unabhängiger vom schwarzen Gold. Zusammen mit Bestrebungen der USA, sich von ausländischem Erdöl zu emanzipieren, verheiße das nichts Gutes, so der Iraker.

Der heutige Opec-Generalsekretär Abdullah el Badri setzt daher auf Zusammenarbeit statt Konfrontation: "Wir unterstützen alle Arten von Energieerzeugung, aber fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle werden in der näheren Zukunft die vorherrschenden Energiequellen bleiben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Alle Energiequellen seien wichtig, deshalb setze er auf Zusammenarbeit, betonte er.

Schwindende Ressourcen

Dennoch werfen Experten ein, dass die Welt noch immer stark am Ölhahn hängt. Öl ist nicht nur als Brennstoff wichtig, auch viele Produkte von Kosmetik bis zur Plastikflasche sind ohne das schwarze Gold nicht produzierbar. Mit erwartet steigender Nachfrage in aufstrebenden Industrienationen wie China und Indien bei gleichzeitig schwindenden Ressourcen könnte das den Ölpreis in exorbitante Höhen treiben.

Die Opec hat darauf nur noch begrenzt Einfluss. "Ich denke, sie hat sowohl Relevanz als auch Macht", sagt der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Goldthau, der mit seinem Co-Autor Jan Martin Witte das Buch "Die Opec. Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells" geschrieben hat. Aber anders als noch in den 1980er Jahren könne der Verbund heute nicht mehr die Preise diktieren.

Als sich 1973 im Westen wartende Menschen vor den Tankstellen drängten, war der Schuldige schnell gefunden: Die arabischen Opec-Mitgliedsländer nutzten das Kartell als politische Waffe im Nahost- Konflikt und setzten eine Drosselung der Fördermengen durch. Durch Panik ausgelöste Hamsterkäufe ließen die Nachfrage weiter steigen. Innerhalb weniger Monate vervierfachte sich der Ölpreis damals von etwa drei Dollar auf zwölf Dollar pro Fass (159 Liter). Dieser für damalige Verhältnisse enorme Preisanstieg hatte dramatische Auswirkungen auf die globale Wirtschaft.

Spekulationen bewegen Märkte

Mit heutigen Zahlen ist dies allerdings kaum mehr zu vergleichen. Und als der Ölpreis im Juli 2008 mit 147 Dollar pro Fass seinen höchsten Wert aller Zeiten erreichte, habe das kaum mehr die Opec zu verantworten gehabt, sagt Goldthau. Vielmehr wurde die Preissteigerung durch eine komplexe Mischung aus steigender Nachfrage und Finanzspekulationen ausgelöst.

Ganz ohne Einfluss ist das Kartell, das diesen Ausdruck übrigens für sich selbst nicht verwendet, dennoch nicht: "Die Opec hat definitiv Möglichkeiten, die Märkte zu beeinflussen, aber nicht mehr direkt, sondern indirekt über Informationen", sagt Goldthau. Passendes Beispiel ist das zweimal im Jahr stattfindende Treffen der Opec-Ölminister in Wien: Zig Journalisten belagern mit Handy im Anschlag dann die Wiener Hotellobbys, um von einer Gesichtsregung der dort wohnenden Minister vor der Sitzung auf die Veränderung der Förderquote schließen zu können. Die Spekulationen bewegen weltweit die Märkte.

dpa