Goldener Löwe für "Somewhere" von Sofia Coppola

Goldener Löwe für "Somewhere" von Sofia Coppola
Die Amerikanerin Sofia Coppola hat für ihr melancholisches Schauspielerdrama "Somewhere" den "Goldenen Löwen", den Hauptpreis des Filmfestivals von Venedig, gewonnen. Die Regisseurin zeigte sich bei der Preisverleihung am Samstagabend sichtlich gerührt und dankte unter anderem ihrem Vater Francis Ford Coppola ("Der Pate"), der ihr alles beigebracht habe.

Geteiltes Echo auf eine Auszeichnung: Die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola gewann für ihr melancholisches Schauspielerdrama "Somewhere" den "Goldenen Löwen". Die bittersüße Komödie, die die Leere und Bindungslosigkeit eines erfolgreichen Schauspielers im heutigen Los Angeles vorführt, war auf dem Filmfestival in Venedig ein Publikumsliebling, erscheint aber einigen Kritikern zu oberflächlich.

Manchen wiederum erschien die Preisvergabe deshalb pikant, weil Sofia Coppola und dem diesjährigen Jury-Präsidenten Quentin Tarantino früher ein kurzzeitiges Verhältnis nachgesagt wird. Wie um dem entgegenzutreten, hatte Tarantino die Übergabe mit der Beschreibung eingeleitet, wie einstimmig seine Kollegen und er zu diesem Entschluss gekommen seien. Sofia Coppola zeigte sich bei der Auszeichnung am Samstagabend vor Rührung dagegen eher still und einsilbig. Sie dankte unter anderem ihrem Vater Francis Ford Coppola ("Der Pate") dafür, dass er ihr alles beigebracht habe.

Vorwurf der Befangenheit

Der Vorwurf der Befangenheit an Tarantino erwies sich denn angesichts der Gesamtliste der vergebenen Löwen als obsolet: Selten dürfte es einem Jury-Präsidenten gelungen sein, einer Preisvergabe so deutlich den Stempel seiner eigenen Vorlieben aufzudrücken. Nach Absprache mit Festivaldirektor Marco Müller gelang es Tarantino sogar, das Reglement zu verändern, das bislang verhinderte, dass einer der mit Hauptpreisen bedachten Filme auch die begehrte Coppa Volpi, die Darstellerauszeichnung, bekam.

[linkbox:nid=22565;title=Fotogalerie]

Ganz ungeniert bekannte sich Tarantino dazu, darauf insistiert zu haben, sowohl den Spezialpreis der Jury an Jerzy Skolimowskis Film "Essential Killing" zu vergeben, als auch dessen Hauptdarsteller Vincent Gallo auszuzeichnen. Gallo spielt in dem fast dialoglosen Actionthriller, der sich jeden politischen Kommentars enthält, einen Taliban auf der Flucht.

Vorlieben Tarantinos

Selbst als Regisseur im Wettbewerb vertreten, war der Hollywood-Außenseiter Gallo zwar an den Lido gereist, hatte aber sämtliche öffentlichen Auftritte und Pressetermine abgesagt. An seiner Stelle nahm Regisseur Skolimowski den Preis entgegen, der den Unsichtbaren scherzhaft aufforderte, doch noch auf die Bühne zu kommen, um wenigstens ihm, dem Regisseur, zu danken.

Auch dass die Jury den 78-jährigen amerikanischen Regieveteranen Monte Hellman mit einem "Goldenen Löwen" für sein Lebenswerk auszeichnete, bildet unmittelbar eine Vorliebe Tarantinos ab. Hatte dieser doch einst Hellman für sein Spielfilmdebüt "Reservoir Dogs" 1992 eigens als "ausführender Produzent" angeheuert. Mit "Road to Nowhere" präsentierte der Regieveteran seinen ersten Spielfilm in bald 20 Jahren. Die etwas wirre Film-im-Film-im-Film-Geschichte war beim Publikum zwar auf begrenzte Gegenliebe gestoßen, Hellman aber bezeichnete sein Werk als "seinen ersten echten Film".

Grelles Clownsdrama

Zum spanischen Regisseur Alex de la Iglesia wurde Tarantino zwar keine vorherige persönliche Verbindung nachgesagt. Dass dessen grelles Clownsdrama "Balada triste de trompeta" aber bald zum Lieblingsfilm des Regisseurs von "Inglourious Basterds" zählen musste, darin war man sich in Venedig schnell einig. Mit ähnlich frechem Mut zur historischen Verzerrung, wie ihn Tarantino im Bezug auf die Nazi-Okkupation Frankreichs bewies, handelt nämlich der Spanier in seinem Film die Geschichte des Franco-Regimes als grelle Zirkusmoritat ab. "Balada triste di trompeta" wurde ebenfalls mit gleich zwei Preisen bedacht, dem "Silbernen Löwen" für die beste Regie und dem Preis fürs beste Drehbuch.

Die einzige Überraschung am Abend stellte schließlich die Vergabe der Coppa Volpi an die Griechin Ariane Labed dar, die im strengen Vater-Tochter-Drama "Attenberg" von Athina Rachel Tsangari ihre erste Rolle spielte. Um so kurioser erschien die Entscheidung, da die Jury gleichzeitig den für ein aufstrebendes Schauspieltalent vorgesehenen "Premio Marcello Mastroianni" an die international keineswegs unbekannte 27-jährige Mila Kunis für ihre Rolle in dem Ballett-Thriller "The Black Swan" von Darren Aronofsky vergab. Der große Favorit der Kritiker am Lido, das stille ironisch-melancholische Drama "Silent Souls" aus Russland musste sich mit dem Preis für die beste Kamera zufrieden geben.
 

epd