Arbeit und Geld - Unterschiede in Zivildienst und FSJ

Arbeit und Geld - Unterschiede in Zivildienst und FSJ
Junge Männer können anstelle des Zivildienstes auch ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) leisten - für die gleiche Arbeit gibts weniger Geld. Trotzdem entscheidet sich mancher bewusst dafür.

In Schweinfurt fährt der 21-jährige Lars Patienten zum Arzt, ins Krankenhaus und wieder nach Hause. Der gleichaltrige Ronny befördert kranke und behinderte Menschen in Frankfurt/Oder. Die jungen Männer haben bewusst entschieden, sich in den Dienst der Johanniter-Unfall-Hilfe zu stellen. Lars ist Zivildienstleistender und erhält eine monatliche Entlohnung von rund 550 Euro. Ronny dagegen ist im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und bekommt eine Aufwandsentschädigung von 245 Euro. "Damit komme ich gerade so über die Runden", sagt Ronny. "Gut, dass ich noch bei meinen Eltern wohne!"

Trotz des geringen Verdienstes gibt es etwa 40.000 junge Menschen in Deutschland, die ein FSJ absolvieren. Unter ihnen waren im vergangenen Jahr 4.120 junge Männer, die als Ersatz für den Zivildienst lieber einen zwölfmonatigen Freiwilligendienst geleistet haben. Rund 90.000 junge Männer entschieden sich für den kürzeren, sechsmonatigen Zivildienst. Junge Frauen dominieren die Freiwilligendienste. "Ein Drittel der FSJler sind junge Männer, und knapp die Hälfte von ihnen lässt sich den Freiwilligendienst als Wehrersatzdienst anrechnen", sagt Martin Schulze, Sprecher des Bundesarbeitskreises Freiwilligendienste FSJ.

Bereiche Sport und Kultur auch möglich

Neben dem Freiwilligen Sozialen oder Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) gibt es andere Angebote, durch die die Pflicht, Zivildienst abzuleisten, erlischt: Anerkannte Kriegsdienstverweigerer können sich dazu verpflichten, sechs Jahre im Zivil- oder Katastrophenschutz mitzuwirken, zwei Jahre Entwicklungsdienst zu leisten oder einen mindestens achtmonatigen "Anderen Dienst im Ausland" zu absolvieren. Damit FSJ, FÖJ und der "Andere Dienst im Ausland" auf den Zivildienst angerechnet werden, müssen sie vor Vollendung des 24. Lebensjahres nachgewiesen werden. Nach Angaben des Bundesamtes für den Zivildienst können die Dienste in der Regel nicht unterbrochen werden.

Das Bundesamt hat im Bereich der freiwilligen Dienste keine Kompetenzen, für die jungen Leute sind die Träger zuständig. Neben dem sozialen und ökologischen Bereich können junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren auch einen Freiwilligendienst im Bereich Sport und Kultur absolvieren. Jedem, der sich zwischen FSJ und Zivildienst entscheiden muss, rät Ronny zum FSJ. In der zwölfmonatigen Dauer des Freiwilligendienstes sieht er im Vergleich zum sechsmonatigen Zivildienst einen Vorteil: "Ich muss den Umgang mit den Behinderten ja erst lernen, bevor ich richtig mitarbeiten kann."

Vor kurzem hat der Kriegsdienstverweigerer seinen Freiwilligendienst auf 18 Monate verlängert. Er will die Zeit nutzen, um wieder einen Job als KFZ-Mechantroniker zu suchen. Hin- und wieder übernehmen Einrichtungen Zivis oder FSJler in ein Arbeitsverhältnis.

Feste Bezugspersonen sind wichtig

"Prinzipiell ist der Zivildienst keine schlechte Sache", sagt Zivi Lars, "abgesehen davon, dass man ihn machen muss." Wenn ein Kriegsdienstverweigerer keine Zivi-Stelle findet, weist das Bundesamt eine Stelle zu. Der ehemalige Wirtschaftsschüler Lars weiß noch nicht, ob er seinen Zivildienst um drei Monate auf insgesamt neun Monate verlängern wird. Dass schon nach wenigen Monaten die Personen in einer Einrichtung wechseln, ist für FSJler Ronny ein Problem, denn für die Patienten sei es wichtig, dass sie über längere Zeit eine feste Bezugsperson haben. "Beim Fahrdienst achten die Behinderten auf die Person, die sie abholt, und sie wissen, bei welchem Fahrer sie einsteigen müssen."

Durch einen freiwilligen Zivildienst, wie ihn Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für den Fall vorschlägt, dass der Wehrdienst ausgesetzt wird, könnte eine Konkurrenzsituation zu den bestehenden Freiwilligendiensten entstehen, befürchten Verbände und Träger. Das FSJ wäre wegen der schlechteren finanziellen Ausstattung in seiner jetzigen Form unterlegen. Die unter dem Bundesarbeitskreis FSJ zusammengeschlossenen freien Trägerverbände fordern daher, dass mit dem eingesparten Geld die vorhandenen Freiwiligendienste ausgebaut werden. "Unter geeigneten Rahmenbedingungen könnten wir die FSJ-Plätze auf 60.000 und mehr ausweiten", sagt Schulze.

epd