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"Ein feste Burg ist unser Gott": Kirchen in Transsilvanien

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"Ein feste Burg ist unser Gott": Kirchen in Transsilvanien
Bauernburg in Rosenau

© Lisa Menzel

Bauernburg in Rosenau

© Lisa Menzel

Schon seit dem 13. Jahrhundert war die Region Siebenbürgen, die heute zu Rumänien gehört und in der Landessprache "Transylvania" heißt, ein umkämpftes Gebiet. Die Dorfbewohner, meistens Bauern, bauten deshalb unter anderem gemeinschaftlich "Fliehburgen", wie etwa die Bauernburg in Rosenau (Rasnov), in die sich die Dorfgemeinschaft bei Bedrohung zurückziehen und außerdem wertvolle Güter vor Plünderungen in Sicherheit bringen konnten.

Michelsberg

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Als die Sachsen im Rahmen von deutschen Siedlungsbewegungen im 12. und 13. Jahrhundert nach Siebenbürgen kamen, gehörte die Region noch zu Ungarn. Den Siedlern wurde Land überlassen, das sie bewohnen und bewirtschaften durften. Die Dörfer der Sachsen waren über die Jahre immer gemeinschaftlich organisiert, so gehörten meistens große Teile der landwirtschaftlichen Flächen der gesamten Dorfgemeinschaft.

Noch heute sind viele Dörfer in Siebenbürgen auf dieselbe Art und Weise aufgebaut: Es gibt eine Hauptstraße, von der die Grundstücke der Familien im Dorf abgehen – so lässt es sich zum Beispiel in Michelsberg (Cisnădioara) erkennen, wenn man den Aufstieg zur dortigen Kirchenburg gemeistert hat und auf das Dorf hinunterblickt.

Kirchenburg in Wurmloch

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In vielen Dörfern baute die Gemeinschaft ihre Kirche zu Wehranlagen aus, denn sie war Mittelpunkt des Dorflebens und bot allen Bewohner*innen ausreichend Platz. Hinter den dicken Mauern waren alle geschützt, wenn Angriffe drohten. Erst nach den Machtkämpfen zwischen Osmanischem und Habsburger-Reich im 16. und 17. Jahrhundert wurde es friedlicher in der Region.

In Wurmloch (Valea Viilor) wurde im Laufe der Zeit das gesamte Kirchenschiff mit einem Wehrgang überzogen und über dem Chor ein Wehrturm errichtet. Dafür wurden auch die Seitenschiffe der ehemaligen Basilika mit Flachdecke abgerissen und das Dach gewölbt. "Das ist der beste Schutz gegen Feuer", erklärt Denkmalexperte Christoph Machat. Natürlich sei die Anlage früher viel größer gewesen, denn den Mauerring gebe es heute nicht mehr. "Wirklich das beeindruckendste Beispiel der Befestigung", sagt Machat.

Kirchenburg Birthälm

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Birthälm hatte als Marktort eine besondere Bedeutung in der Region. Von 1572 bis 1867 diente die Kirchenburg als Bischofssitz der Evangelischen Kirche A.B. und war damit auch geistlicher Mittelpunkt der Sachsen. Die mächtige Burganlage mit drei Ringmauern und neun Wehrtürmen gilt als eine der größten in Siebenbürgen.

Die Kirchenburg in Birthälm (und mit ihr das sie umgebende Dorf) war die erste, die auf die Liste der UNESCO aufgenommen wurde – schon 1993. "Die Position Birthälm wurde 1999 erweitert mit den anderen fünf. Das ist wichtig, denn man hat mit den anderen keine neue Position geschaffen", erklärt Denkmalexperte Machat, der damals an der Antragstellung bei der UNESCO beteiligt war, das Verfahren. Heute gehören insgesamt sechs Kirchenburgen und deren Dörfer zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Kirchenburg Tartlau

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Die Kirchenburg in Tartlau lag strategisch günstig und wurde deshalb besonders stark befestigt. Zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert wurde das Dorf über 50 Mal angegriffen und zerstört – die Kirchenburg konnte allerdings nur wenige Male eingenommen werden.

Die Kirche in Tartlau wurde selbst nie befestigt, sondern wird durch die umgebende Burg mit 14 Meter hohen Mauern und fünf Türmen gut geschützt. Der Deutsche Ritterorden begann um 1218 mit dem Bau der Kirche. Nach dessen Ausweisung wurde das Projekt vom Orden der Zisterzienser fortgeführt.

Innerer Ring Kirchenburg Tartlau

© Lisa Menzel

Eine Besonderheit an der Kirchenburg in Tartlau sind die über 270 Kammern, die an der Innenseite der Burgmauern eingelassen sind und bis zu 1.600 Dorfbewohnern Platz boten. Im Angriffsfall konnten sie sich in die Burganlage zurückziehen, in den Kammern wohnen und ihre Güter lagern.

Über den Wehrgang kann man die Burganlage noch heute komplett umrunden, außerdem befindet sich in den Burgmauern ein verwinkeltes System aus Treppen, Leitern, Gängen und verschiedenen Kammern.

Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch

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Die Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch wurde erst um 1500 zur Wehrkirche ausgebaut. Wie auch in Tartlau gab es dort ein Aufbewahrungssystem mit vielen Kammern für die Familien aus dem Dorf - diese wurden allerdings im 18. Jahrhundert abgerissen, als friedlichere Zeiten in der Region Siebenbürgen anbrachen.

Überhaupt waren die Kirchenburgen über die Jahrhunderte einem steten Wandel unterzogen und wurden immer für den aktuellen Zweck weiter aus- und später wieder zurückgebaut oder ganz verändert.

Stundturm und Klosterkirche in Schäßburg

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Zeitgleich mit der Erweiterung der Position Birthälm um fünf weitere Dörfer mit Kirchenburgen wurde auch das historische Zentrum von Schäßburg 1999 zum Weltkulturerbe ernannt. Als mittelalterliche, noch vollständig bewohnte Burgstadt ist es einmalig in Europa. Von der gewaltigen Festung mit ursprünglich 14 Türmen sind nur noch neun Wehrtürme erhalten. Sie sind nach den Zünften benannt, die sie jeweils erbaut haben.

Insgesamt gibt es acht Kirchen in Schäßburg. Die Klosterkirche gehörte dem katholischen Dominikanerorden und wurde 1298 erstmals erwähnt. 1555 wurde sie zur Pfarrkirche der Stadtgemeinde. Im Kloster selbst wurde ab dieser Zeit das Rathaus untergebracht – beide sind durch einen Kreuzgang verbunden. Die Bergkirche dagegen wird seit der Reformation als Kirche für das deutsche Gymnasium genutzt, das sich ebenfalls auf dem Berg befindet.

Kirchenburg in Keisd

© Stefan Bichler

Von den Befestigungsanlagen, die die Kirche im Ortszentrum von Keisd umgaben, steht heute nur noch der Nordturm. Der Turmhelm von 1677 wurde dem des Stundturms in Schäßburg nachempfunden.

Auf einem Hügel außerhalb von Keisd findet sich zudem eine Fliehburg, die den Bewohnern der acht umliegenden Dörfer als Schutzraum diente.

Turm der Kirchenburg in Kelling

© Stefan Bichler

Mit der Kirchenburg in Kelling ist eine der letzten Gräfenburgen in Siebenbürgen erhalten geblieben - eine Burg, die ursprünglich von einem Grafen in Auftrag gegeben und erst später von der Dorfgemeinschaft übernommen wurde. Sie wurde um 1270 errichtet und erst nach der Übernahme durch die Sachsen um eine weitere Ringmauer sowie einen zusätzlichen Turm und eine Kapelle erweitert.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verloren die Kirchenburgen ihre Funktion als Wehranlagen. Sie wurden aber als identitätsbestimmende Bauten der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen weiterhin gepflegt und erhalten – bis heute.

Karte: Baulicher Zustand der Kirchenburgen in Südsiebenbürgen

© Lisa Menzel

Viele der über 160 Kirchenburgen in Siebenbürgen sind in einem sehr schlechten Zustand oder zumindest teilweise gefährdet – bei manchen ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. "Ich hoffe, dass zumindest die Kirchenburgen auf der UNESCO-Liste einigermaßen gepflegt und erhalten werden – und auch die dazugehörigen Dörfer," wünscht sich deshalb Christoph Machat. Er ist Experte für Denkmalpflege und war in den 1990er Jahren an der Antragstellung der Kirchenburgen für die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste beteiligt.

"Das Hauptproblem ist, dass die verbliebene Bevölkerung weder Bezug zu den Kirchenburgen noch Interesse dafür hat", sagt Machat, der selbst Siebenbürger Sachse ist, aber seit 1973 in Deutschland lebt. Trotzdem sieht er die Rumänen in der Pflicht, für die Kirchenburgen zu sorgen und in ihren Erhalt zu investieren: "Jedes Land, das sie UNESCO-Konvention unterschrieben und Objekte auf der Liste hat, ist selbst verantwortlich, dass diese erhalten und gepflegt werden", erklärt er.

Kirchenburgen gab und gibt es auch in anderen Regionen Europas, weltweit einmalig ist allerdings die Dichte und Vielfalt der Kirchenburgen in der Region Transsilvanien in Rumänien – man spricht auch von der "Kirchenburgenlandschaft" Siebenbürgens.

Zum Schutz vor Überfällen und Plünderung befestigten die Siebenbürger Sachsen im Mittelalter ihre Kirchen zu massiven Wehranlagen, die viele Angriffe überstanden haben. Der Kirchenlied-Klassiker "Ein feste Burg ist unser Gott" erhält vor diesem Hintergrund eine ganz neue Bedeutung.

Heute gibt es noch über 160 Anlagen, die weitgehend in ihrer vielfältigen historischen Gestalt erhalten sind. Sechs von ihnen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe: Tartlau (Prejmer), Deutsch-Weißkirch (Viscri), Keisd (Saschiz), Birthälm (Biertan), Wurmloch (Valea Viilor) und Kelling (Câlnic). Die Verwaltung aller Kirchenburgen in Siebenbürgen gehört zu den Aufgaben der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Als Fachinstitut für den Erhalt des kirchlichen Kulturerbes wurde die Stiftung Kirchenburgen gegründet.