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Konfirmation mit Bollenhut

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Konfirmation mit Bollenhut
Junges Mädchen in Schwarzwälder Tracht mit roten Bollenhut und Schmuckband

Foto: Christina Stohn

Junges Mädchen in Schwarzwälder Tracht mit roten Bollenhut und Schmuckband

Foto: Christina Stohn

Der Bollenhut ist das auffälligste Merkmal der Tracht im Gutachtal. Vor gut 200 Jahren wurde er erfunden und im Lauf der Zeit immer größer. Heute wiegt ein solcher Hut rund 1,5 Kilogramm - ihn zu tragen ist ein kleines Kunststück.

Junges Mädchen setzt sich einen roten Bollenhut (Schwarzwälder Tracht) auf den Kopf

Foto: Christina Stohn

"Ich bin stolz, den Bollenhut tragen zu dürfen", sagt Kaya Hildbrand, Konfirmandin in Kirnbach. "Ich finde, dass die Tracht der Konfirmation einen tollen Rahmen gibt. Für mich war es kein Zwang oder Muss."

Gepflegte Tradition

Foto: Christina Stohn

Trachtenkapellen und Vereine wie hier in Kirnbach halten die Tradition in den Dörfern lebendig.

Zwei Jungen in der Gutacher Tracht mit geknöpften Westen, schwarzen Hüten und Mänteln mit roten Aufschlägen

Foto: Christina Stohn

Auch Philipp Wöhrle (links) und Hannes Purfürst (rechts) aus Gutach haben zur Konfirmation
die traditionelle Tracht getragen. "Als ich ungefähr vier Jahre alt war, habe ich vor der Kirche die Trachtentanzgruppe gesehen", erzählt Philipp. "Ich hab damals zu meiner Mutter gesagt, dass ich auch mal so eine Uniform haben will." Die Eltern von Hannes haben die Trachtenkleidung von einer befreundeten Familie ausgeliehen. Die Verwandten fanden den Auftritt toll. Nur der Hut sei zu eng gewesen, sagt Hannes. Nach dem Gottesdienst wechselte er zu Jeans und Hemd.

Gemeinsam feiern

Foto: Christina Stohn

Bis in die 1960er Jahre wurden die Trachten noch zu verschiedensten Gelegenheiten getragen. Die Festtagstracht war die Kleidung für die Kirche. Heute wird sie außer zur Konfirmation noch am Erntedankfest und am Ostersonntag getragen.

Generationen verbindend

Foto: Christina Stohn

"Ich persönlich erfahre die Tracht als große Bereicherung", sagt Stefan Voß, Pfarrer in Kirnbach. "Die Tracht schafft auch, was sonst selten gelingt: Etwas Gemeinsames und Verbindendes von alt und jung - von den Dreijährigen der kleinen Kurrende bis zu den Senioren."

Bezug zur Kirche

Foto: Christina Stohn

Auch Pfarrer Herbert Kumpf in Hausach hat Jugendliche in Tracht konfirmiert. Die Tracht hat keine unmittelbare religiöse Funktion. Es wurden zwar Verbindungen zu religiösen Bedeutungen hergestellt - etwa die Anordnung der Bollen in Kreuzform - aber dabei handelt es sich eher um "Legenden".

Jenseits der Modetrends

Foto: Christina Stohn

"Die Tracht hat sich nicht gr0ß verändert über die Jahrhunderte", weiß Bärbel Zacharias–Pohlmann.
Die Kirchengemeinderätin bereitet die Konfirmationsfeiern in Gutach mit vor. Die Trachtengewänder werden in den Familien von Generation zu Generation weitergegeben. "Niemand würde sie wegwerfen, weil sie altmodisch sind. " Und auch die Jugendlichen trügen sie mit einem gewissen Stolz: "Es ist halt auch toll zu den 3 Gemeinden zu gehören, die mit dem Bollenhut für den ganzen Schwarzwald Reklame machen. "

Ältere Frau in Schwarzwälder Tracht mit schwarzem Bollenhut

Foto: Christina Stohn/Christina Stohn

Der Hut von Martha Leitl hat schwarze Bollen - das Kennzeichen für eine verheiratete Frau. "Die Tracht ist für mich ein Stück Heimat", sagt die Kirnbacherin. "Ich trage sie, so oft es dazu Gelegenheit gibt" - zu besonderen kirchlichen Anlässen, etwa Erntedank, bei Auftritten im Rahmen der Kurrende, bei Heimatabende oder zum Papstbesuch in Freiburg vor einigen Jahren. "Damit kommt man immer gut ins Gespräch und kann an den unterschiedlichsten Orten seine Heimat repräsentieren."

junge Mädchen in Schwarzwälder Tracht, Totale von vorn und Nahaufnahme von hinten mit geschmückten Zöpfen

Foto: Christina Stohn/Christina Stohn

Auch Kaya Hildbrand trägt die Tracht, "weil ich sie schön finde und es etwas Besonderes aus meiner Heimat Kirnbach ist. Viele Kleinigkeiten, wie die 'Spiegele' an den Zöpfen machen die Tracht spannend. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken."

Junge Frau in Gutacher Tracht mit rotem Bollenhut und Schmuckband

Foto: Christina Stohn

In der Familie von Emely Oehler wird die Gutacher Tracht seit Generationen getragen. „Und ich finde, dass das auch erhalten bleiben soll“, sagt sie.

junger Mann in Schwarzwälder Tracht, Frontal- und Seitenansicht

Foto: Christina Stohn

"Ich finde es selbst schön, die Tracht tragen zu dürfen und fühlte mich geehrt", sagt Tobias Thoma, Konfirmand in Kirnbach. "Durch das feine Material war ich wie von einem anderen Stand. Ich glaube, dass die anderen Konfirmanden es auch schön fanden."

Der Bollenhut ist heute weltberühmt. Sogar in China kennt man den stattlichen Kopfputz, er gilt als Symbol für den Schwarzwald schlechthin. Erfunden wurde der Bollenhut in den Dörfern Gutach, Kirnbach und Reichenbach. Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die drei abgelegenen Talorte zum Herzogtum Württemberg - evangelische Enklaven im katholischen Baden. Die Hutmacherei war ein Ausweg aus der Armut - von Herzog Friedrich Eugen persönlich empfohlen. Die Menschen legten ihre Tracht auch zu kirchlichen Anlässen an - etwa zur Konfirmation. Den jungen Mädchen bot sich hier die Gelegenheit, mit den leuchtend roten Hüten zu glänzen. Dass die Tradition in den Dörfern noch heute lebendig ist, zeigt unsere Fotoreportage. Das Fotobuch von Christina Sohn kann vorbestellt werden.      

Anika Kempf, Jörg Echtler (Text), Christina Stohn (Fotos)