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Gundel Purgold pflegt Halskrausen

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Gundel Purgold pflegt Halskrausen
Astrid Kleist, Hauptpastorin in der St. Jacobi Gemeinde in Hamburg legt sich die traditionielle Halskrause an.

Severin Wohlleben

Astrid Kleist, Hauptpastorin in der St. Jacobi Gemeinde in Hamburg legt sich die traditionielle Halskrause an.

Severin Wohlleben

Die weiße Halskrause - auch "Wagenrad" oder "Duttenkragen" genannt - war noch bis vor 100 Jahren die Amtstracht von Professoren, Bürgermeistern und Senatoren. Gehalten hat sich die Tradition jedoch nur bei den Pastoren der Hansestädte wie Hamburg, Lübeck, Wismar und Stralsund sowie in Skandinavien.

Die gestärkte Halskrause liegt auf einem Handtuch.

Severin Wohlleben

Wenn Gundel Purgold eine Halskrause zur Pflege erhält, muss sie sie zuerst reinigen. "Die Halskrausen kommen in unterschiedlichem Zustand zu mir. Manche sind sehr schmutzig, manche hingegen sauber", erklärt sie. Alleine das Waschen dauert schon zwischen einer halben Stunde und Stunde. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst nach der Reinigung: Dann erhält der Kragen seine vielen Schlaufen. Zunächst wird er dafür Stärkebad eingeweicht und mit einem Handtuch vorgetrocknet.

Gundel Purgold bügelt den Steg der Halskrause.

Severin Wohlleben

Anschließend wird der Steg der Halskrause gebügelt. "Das ist ganz wichtig, damit er danach nicht wellig ist", erklärt Purgold. Damit man den Kragen formen kann, müssen alle Schritte in einem Arbeitsgang erfolgen: "Sonst trocknet die Halskrause an." Wenn man zwischendurch gestört werde, müsse man nochmal von vorne anfangen, sagt die Küsterin.

Die Werkzeuge von Gundel Purgold: Drei Metallstäbe und zwei Scheren.

Severin Wohlleben

Für die Pflege der Kragen hat Gundel Purgold einige Werkzeuge. Zum Tollen, wie der Fachausdruck lautet, sind aber nur drei Metallstäbe mit Holzgriff nötig, die in einem speziellen Gerät erhitzt werden. Darin befindet sich ein Schamottestein, der erhitzt wird.

Der Kragen wird mit Stecknadeln auf einer runden Form befestigt,

Severin Wohlleben

Vor dem Tollen wird die Halskrause auf einen Eisenring aufgespannt und auf einen Drehteller gelegt. Die Pflege der traditionsreichen Krausen hat Purgold von einer Kollegin gelernt. "Ich habe einmal zugeschaut und dann mit ihr eine Halskrause fertiggemacht." Mittlerweile weiß Purgold genau, auf was sie achten muss.

Gundel Purgold beim Tollen der Halskrause.

Severin Wohlleben

Dann beginnt eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert: Das Tollen. In dem Gerät mit dem Schamottestein werden die Metallstäbe erhitzt. "Die Stäbe werden aber nicht kontrolliert heiß – da muss man ein Gefühl für entwickeln", betont Purgold. Der weiße Stoff der Krausen wird dann um die Stäbe gelegt. So entstehen die vielen Schlaufen.

Gundel Purgold beim Tollen der Halskrause.

Severin Wohlleben

Beim Tollen kommt es besonders auf die richtige Temperatur an. "Man merkt erst in der Tolle, wie heiß oder kalt der Stab ist. Wenn der Stab zu kalt ist, funktioniert es nicht", erklärt Purgold. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu heiß werden.

Gundel Purgold mit fertig getollter Halskrause.

Severin Wohlleben

Bis zu eineinhalb Stunden braucht Purgold für das Tollen. "Das kommt immer auf die Halskrause und ihre Größe an. Manche Krausen sind sehr groß, dann ist die Tolle sehr tief. Andere sind dagegen sehr kurz", sagt sie. Auch der Stoff spielt eine Rolle: Manche Stoffe sind etwas gröber, manche sind feiner. "Es gibt auch sehr störrische Stoffe, das macht das Tollen sehr schwierig."

Eine fertig getollte Halskrause.

Severin Wohlleben

Nach dem Tollen bleibt die Halskrause über Nacht auf dem Drehteller. Zwar ist sie zu diesem Zeitpunkt bereits gestärkt und glatt - aber noch nicht ganz trocken. "Wenn man sie dann anfassen würde, würden sie Dellen kriegen." Am nächsten Tag ist die Krause dann vollkommen durchgetrocknet und recht steif.

Astrid Kleist, Hauptpastorin in der St. Jacobi Gemeinde in Hamburg mit Halskrause,

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Auch die Hauptpastorin in der St. Jacobi Gemeinde in Hamburg trägt die traditionelle weiße Halskrause. In Mode gekommen waren die Krausen im 16. Jahrhundert am spanischen Hof. Sie verbreiteten sich in England, Holland und Deutschland. Die Krause soll auch einen praktischen Nutzen gehabt haben: Sie verhinderte, dass Puder von den Perücken auf die Kleidung fiel.

Waschen, Stärken, Tollen: Gundel Purgold sorgt dafür, dass die traditionellen "Duttenkragen" der Pastoren der Nordkirche immer strahlend weiß und in Form bleiben. "Das Tollen dauert etwa eine bis eineinhalb Stunden", erklärt die Küsterin der Gemeinde St. Jakobi in Lübeck. Wie viele Halskrausen sie im Monat wieder auf Vordermann bringt, ist unterschiedlich: "Mal bekomme ich zwei im Monat, ich hatte auch schon einmal sechs bis sieben." Unsere Galerie zeigt, wie aufwendig die Pflege der Krausen ist.
Text: Lynn Osselmann
Infos zur Serie
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