Herzliche Grüße Alyn
Liebe Frau Edelkraut,
Ich stimme Ihnen zu, dass die Kirche nicht schweigen sollte, wenn es um Toleranz und Nächstenliebe geht. Ich finde auch, dass der Umgang unserer Kirche mit Homosexualität ein Indiz dafür ist, wie ernst wir es mit der Nächstenliebe meinen. Ich in mir allerdings nicht sicher, ob Ihre Idee, die sonntägliche Predigt zu nutzen, um die Gemeindeglieder "aufzuklären", zu dem von Ihnen gewünschten Ziel führt. Zunächst einmal sind wir evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer angehalten, dass wir über bestimmte Bibelstellen predigen. Wir suchen uns also nicht einfach ein Thema aus, das wir gerade für angemessen halten. Da kann es sich bei einigen Texten natürlich anbieten, auch über Nächstenliebe und Toleranz gegenüber verschiedenen sexuellen Präferenzen zu predigen.
Ich denke, dass Pfarrerinnen und Pfarrer für ihre Gemeinden eine gewisse Vorbildfunktion haben – ob sie das nun wollen oder nicht. Darum ist es meines Erachtens mindestens so wichtig wie eine entsprechende Predigt, dass wir Amtsträger uns entsprechend offen verhalten – jedem Menschen gegenüber und natürlich auch solchen, die homosexuell sind.
Drittens ist da noch die Ebene der Landeskirchen und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Was "die evangelische Kirche" zu einem Thema sagt, wird dort formuliert, wo die entsprechenden Gremien zusammensitzen und beraten. Die EKD hat hier einen großen Schritt gemacht. Die entsprechende Orientierungshilfe hat viele Gegner gefunden, ist aber derzeit die offizielle Meinung der evangelischen Kirche in Deutschland. Wer sich tatsächlich an ihr orientiert, wird in der Predigt und im sonstigen Handeln offen und freundliche sein gegenüber sämtlichen Arten der sexuellen Orientierung, denn es geht um einen Ausdruck der Liebe.
Herzlichen Gruß
Frank Muchlinsky




