Stille Nacht? Von wegen...

Stille Nacht? Von wegen...

Welchen Vogel assoziieren Sie mit Weihnachten? Eine Gans? Eine Ente? Einen Truthahn? Sie alle werden zwar auch hier in England zum christmas dinner gegessen. Doch mit Weihnachten in Verbindung gebracht wird in Großbritannien kein Vogel so sehr wie das Rotkehlchen. Allerdings nicht aus kulinarischen Gründen.

Die Briten haben ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Nationalvogel. Das ganze Jahr über ist das Rotkehlchen ein Freund der Gärtner, denn sobald irgendwo ein Spaten geschwungen wird, findet sich innerhalb von Minuten ein robin ein, um sich an den im gestörten Erdreich befindlichen Würmern und Insekten gütlich zu tun. Scheu kennen sie dabei kaum, viele kommen sogar auf die ausgestreckte Hand, denn anders als in Kontinentaleuropa wurden Rotkehlchen auf der Insel nie gejagt.

Doch besonders deutlich wird die Zuneigung zu den kleinen Fliegenschnäppern an Weihnachten. In keiner Weihnachtsdekoration darf ein robin fehlen, und geschätzte 20 Prozent der in England so wichtigen Weihnachtskarten ziert ein Rotkehlchen. Die Karten wiederum werden ja bekanntlich vom Postboten gebracht, und der wurde wegen seiner roten Robe in Anlehnung an den Lieblingsgartenvogel ‚Robin’ genannt.

Vielleicht liegt die Verknüpfung von Weihnachten und Rotkehlchen aber auch eher daran, dass die orangegefiederten Vögel dann am lautesten singen, wenn alle anderen Vögel weitgehend verstummen: im Winter. Rotkehlchen suchen nämlich schon im Dezember ihre Partner/innen für die nächste Brutsaison, und möchten mit ihren Liedern beeindrucken und ihr Territorium abstecken. In manchen Fällen, bei Vollmond etwa oder bei hellem künstlichem Licht, trällern sie sogar nachts.

Wenn Sie also heute Nacht einen Vogel singen hören, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit keine Nachtigall, sondern ein Rotkehlchen, das ihnen da ein Weihnachtslied vorträgt. Vielleicht können Sie sich ja mit einer Extraration Futter revanchieren.

FROHE WEIHNACHTEN Ihnen allen!

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