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Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
ich würde gerne von der Römisch-katholischen in die Evangelisch-lutherische Kirche wechseln. In meinem Kopf geistert dieses Thema schon über 10 Jahre herum. Die Tendenz bzw. der Wunsch wird immer stärker. Fakt ist, dass ich mich sehr mit den Unterschieden beschäftigt habe und von mir behaupten kann, dass meine Überzeugungen, soweit ich weiß, viel viel eher denen der evangelischen Kirche entsprechen. Ich besuche mit meinem evangelischen Partner den evangelischen Gottesdienst. Früher sind wir wohnortbedingt so gut wie nur in den katholischen gegangen. Um es kurzzufassen: Ich fühle mich viel eher evangelisch als katholisch - und das schon lange! Ich bin zwar irgendwie Katholik, aber einfach nicht mit vollem Herzen. Die Prinzipien allein durch die Gnade, allein die Schrift etc. und die Mündigkeit, die Bibel selbst auslegen zu dürfen, fehlen mir in der katholischen Kirche. Ich lehne vieles aus der römisch-katholischen Lehre und Tradition für mich persönlich ab.
Dennoch habe ich Angst vor diesem Schritt. Bis auf die letzten Jahre war der katholische Gottesdienstbesuch trotz aller Zweifel irgendwie Heimat für mich. Es sind meiner Meinung nach eher „triviale“ Dinge, die mich ängstigen: Darf ich zu Hause kein Kreuzzeichen mehr machen? Muss ich das Kruzifix abhängen? Muss ich mir den Knicks vor dem Altar abgewöhnen? Muss ich meinen Maria-Glücksbringer weggeben (Fände ich jetzt schon sehr übertrieben…)? Darf ich nie mehr Weihwasser benutzen? Mein Gewissen sagt dazu: Ich kann ruhig diese symbolischen katholischen Gewohnheiten beibehalten.
Manche Fragen sind aber nicht so leicht: Was ist, wenn ich von einem katholischen Kind Patin werden soll? Wie wird es sein, wenn ich mit meiner Verwandtschaft in der katholischen Heimatgemeinde in den Gottesdienst gehe? Klar, an der katholischen Eucharistiefeier darf ich nicht mehr teilnehmen. Diese „trivialen“ Fragen beschäftigten mich. Könnten Sie mir da bitte weiter weiterhelfen?
Als Atheist, der ich eigentlich glaubte zu sein, auch teilweise mit tiefster Überzeugung, kamen mir in den letzten Monaten oder Jahren sogar Zweifel, ob das nun „Alles“ sein soll. Soll heißen, sind das in letzter Zeit Geschehnisse, im Kleinen wie im Großen, die vielleicht mit Hilfe eines/des Glaubens besser zu verstehen, besser zu ertragen und besser auch gemeinsam zu bewältigen sind?
Ich bin getauft, habe aber danach den Weg des typischen DDR-Kindes beschritten und lebe seitdem mit Partner in ganz normalen Verhältnissen hier in Hohenschönhausen. Und geplagt auch mit Depressionen seit vielen Jahren. Mit wechselnden Phasen, aber ohne Ende(!), nun die Erkenntnis oder Frage: Gibt’s noch andere Wege? Wie und mit wem kann man die gehen? Sie sehen: Der übliche Weltschmerz vielleicht oder der Versuch, etwas zu finden, was man verloren glaubt oder noch geweckt werden muss. Daher meine Frage nach einem Weg in die Kirche. Auch dafür braucht man erstmal Überwindung. Man hatte ja auch alle Vorurteile gegen das Kirchliche.
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