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Bibel
Liebe Frau Klee,
im Markusevangelium, ab 10,17 fängt das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr an. Was ich mich frage ist, warum Jesus dem reichen Mann nach dessen Frage, wie er das ewige Leben erhalten kann, zuerst die Befolgung der Zehn Gebote empfiehlt, aber nachdem dieser beteuerte, es bereits getan zu haben und weiter auf seine Frage pocht, ihm dann die (völlig andere) Empfehlung gibt, alles zu verkaufen, den Erlös den Armen zu geben und ihm nachzufolgen, worauf der reiche Mann ihn traurig verlässt? Was ich weiter nicht verstehe ist, nachdem Jesus sagte, dass leichter ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt, erschraken die Jünger und fragten, wer dann noch gerettet werden könne. Diese Reaktion der Jünger passt doch eigentlich nicht auf das, was Jesus zuvor gesagt hatte, denn wir können davon ausgehen, dass zu dieser Zeit die meisten Menschen nicht reich gewesen sind, ich bin sogar überzeugt, dass der Gegensatz zwischen Reiche und Arme damals noch extremer war als heute. Warum beziehen sie die Worte von Jesus, dass die Reichen es schwer haben werden ins Reich Gottes zu kommen, plötzlich auf alle Menschen? Und was ich mich noch frage, warum äußert sich das Markusevangelium (auch im Matthäus und Lukas kommt dieses Gleichnis vor) an dieser Stelle kritisch über den Reichtum von Menschen? Warum sollte ehrlich erworbener Reichtum, ob selber erarbeitet oder geerbt, etwas negatives sein? Man kann durchaus wohlhabend und zugleich gläubiger Christ sein. Und ich meine, dass ich aus den Paulus-Briefen herauslese, dass es selbst in den urchristlichen Gemeinden wohlhabende Mitglieder gegeben hat. Oder wollte dieses Gleichnis vielleicht nur sagen, dass die Menschen nicht aus eigener Kraft ins Reich Gottes kommen können, und das Beispiel des reichen Mannes als eines von vielen Argumenten dient, in diesem Falle weil die Menschen zu sehr am weltlichen festhalten? Denn immerhin antwortet Jesus auf die Frage der Jünger, wer denn noch gerettet werden kann, dass das was bei den Menschen unmöglich ist, bei Gott alle Dinge möglich sind.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan