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Bibel
Die Güte Gottes wird nicht beziehungslos dargestellt, sondern auch in ihren Konsequenzen für das Leben der Menschen miteinander, wie die Szene mit den murrenden Langarbeitern zeigt. Sie haben in der Tat mehr geleistet als die Kurzarbeiter. Nicht ihr Wunsch nach Lohngerechtigkeit als solcher setzt sie ins Unrecht, sondern die Art, wie sie mit diesem Wunsch umgehen. Sie machen ihren Wunsch nach Lohngerechtigkeit zur Waffe gegen andere. Sie sind neidisch (…). Sie gönnen den Kurzarbeitern den Denar nicht. Sie wären ruhig gewesen, wenn die Kurzarbeiter erkennbar weniger als sie selbst bekommen hätten. Hier werden nicht abstrakt Lohndenken oder Lohngerechtigkeitsforderungen kritisiert, sondern unbarmherziges, unsolidarisches Verhalten. Gott ist gütig und barmherzig, die Langarbeiter sind unsolidarisch und unbarmherzig. (…) Der Duktus des Gleichnisses ist nämlich klar: Es will nicht auf Kritik an Menschen hinaus, die in den Langarbeitern verschlüsselt dargestellt werden. Es will vielmehr um Menschen werben, Menschen anreden, deren Verhalten im Verhalten der Langarbeiter in einer übertriebenen Konsequenz dargestellt wird. Die Angeredeten sollen sich in dieser negativen Verfremdung gerade noch wiedererkennen können und, weil auch sie dieses Verhalten falsch finden, ihr eigenes Verhalten ändern. Das Gleichnis hat nicht ein negatives Ziel (Kritik), sondern ein positives Ziel: Es will Solidarität lehren.