Junge Menschen haben Lust Bestatter:in zu werden

Bestattungsfachkraft Lena Geisemeier (li.) und Auszubildende Franziska Jotzo.
epd-bild/Michael Ruffert
Bestattungsfachkraft Lena Geisemeier (li.) und Auszubildende Franziska Jotzo bei der Vorbereitung einer Trauerhalle.
Krisensicherer Job
Junge Menschen haben Lust Bestatter:in zu werden
Trauernde begleiten, Abschiede planen: Der Bestatterberuf hat sich laut Bestatterverband und Verbraucherinitiative Aeternitas deutlich gewandelt - und an Attraktivität gewonnen. Das legen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes nahe.

Im Bestatterberuf geht es um weit mehr als Särge und Beisetzungen. "Unserer Ansicht nach hat sich das Image des Berufes in weiten Teilen der Öffentlichkeit deutlich verbessert, auch wenn es sicherlich immer noch gewisse Vorbehalte geben mag", erklärt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas in Königswinter bei Bonn.

"Die Bestattungsbranche hat ihr Leistungsspektrum in den letzten Jahren immens erweitert - nicht nur verursacht durch den Rückzug der Kirchen", ergänzt Pia Neerfeld vom Bundesverband Deutscher Bestatter.

Zugleich wächst das Interesse an der Ausbildung: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Auszubildenden zur Bestattungsfachkraft in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Zum Jahresende 2025 absolvierten rund 900 Menschen eine duale Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. 2015 gab es nur 430 Auszubildende.

Die Nachfrage nach Flussbestattungen in Rheinland-Pfalz steigt langsam. Das Bundesland hat seit Ende 2025 das bundesweit liberalste Bestattungsgesetz.

Besonders beliebt sei die Ausbildung bei Frauen, teilte das Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. 2025 waren 61 Prozent der Auszubildenden zur Bestattungsfachkraft Frauen, der Männeranteil lag bei 39 Prozent. Zehn Jahre zuvor betrug der Frauenanteil nur 46 Prozent. Das Bundesamt stellt bei den Zahlen einen Bezug zur alternden Gesellschaft her: 2025 seien rund eine Million Menschen in Deutschland gestorben, neun Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Sinnstiftende Tätigkeit

"Bestatterinnen und Bestatter sind heute Administratoren, Trauerredner, Seelsorger, Gestalter, Projekt-, Event- und Locationmanager", erläutert Neerfeld. Sie kümmerten sich um den digitalen Nachlass bei Facebook und Co. Heute sei ein Bestatter in seiner breiten Tätigkeit kaum noch mit dem Aufgabenfeld von vor 30 oder 40 Jahren vergleichbar: "Die Arbeit mit den Angehörigen, eine sinnstiftende Tätigkeit, kreative Aufgaben und überhaupt das vielfältige Berufsbild machen das Handwerk attraktiv. Uns wird rückgemeldet, dass am Markt weiterhin ein großer Bedarf an Fachkräften besteht."

Und Helbach fügte hinzu: "Für Bestattungen wird immer die Arbeit von Menschen erforderlich sein." Der Beruf sei krisensicher, es bestehe auch keine Gefahr, durch KI oder andere technische Errungenschaften ersetzt zu werden.

Attraktiver Beruf für Frauen

Den gestiegenen Frauenanteil unter den Auszubildenden erklärt sich der Bundesverband Deutscher Bestatter unter anderem mit dem Trend zu individuelleren Bestattungen. Dabei seien Kreativität und Empathie gefragt.
"Das Berufsbild hat sich über Jahrzehnte sehr stark gewandelt", bilanziert auch Helbach. Während vor nicht allzu langer Zeit sehr viele Bestatter aus dem Schreinerhandwerk stammten, gebe es einen Trend weg vom Handwerk hin zu Dienstleistungen. Auch die Begleitung der Trauernden stehe zunehmend stärker im Fokus: "Beides hat den Beruf für Frauen deutlich attraktiver gemacht."

Karrierechancen im Bestatterhandwerk

Rund 32.000 Menschen waren laut Statistischen Bundesamt 2024 bei den in Deutschland ansässigen etwa 4.200 Firmen im Bestattungshandwerk tätig. Der Anteil der geringfügig entlohnten Beschäftigten sei in der Branche mit 41,9 Prozent deutlich höher als im Handwerk insgesamt, wo er 21,1 Prozent betrage.
Den hohen Anteil geringfügig Beschäftigter erklärte Neerfeld mit den besonderen Arbeitsabläufen der Branche. Viele seien nur wenige Stunden im Monat tätig. Der hohe Minijobanteil bedeute nicht, dass reguläre Fachkräfte durch geringfügig Beschäftigte ersetzt würden.

Dazu erklärt Helbach: "Die Tätigkeiten sind sehr vielfältig, das beginnt bei eher körperlichen Einsätzen wie Abholungen und Sargträgerdiensten, umfasst aber auf der anderen Seite auch komplexe Beratungs- und Planungstätigkeiten. Er vermute, dass viele Beschäftigte hier eher als eine Art "Helfer" eingesetzt werden. Dagegen hätten ausgebildete Fachkräfte in Vollzeit "gute Aussichten, auch Leitungspositionen wahrzunehmen".