Eine gelebte Spiritualität schafft Verbundenheit. Sie ist ein Verbundensein mit Gott und ein Aufmerksamsein für Gottes Gegenwart - dem Lebensgrund und Geheimnis, in dem alles gründet: Von mir selbst schaue ich weg, schaue zu dem Grund in der Tiefe, in dem ich aufgehoben bin und eingebunden in das Ganze des Lebens. In Zeiten des Innehaltens an Kraftorten oder mitten im banalen Alltag kann die sanfte Ahnung aufsteigen: Gott weiß um mich. Gott ist da. In uns, so haben es die Mystikerinnen und Mystiker beschrieben, ist ein heiliger Raum, der dem Zugriff der Welt entzogen ist, in dem Gott selbst in uns wohnt. Dort finden wir Geborgenheit und Vertrauen.
Morgensegen
Barmherziger und guter Gott, ich danke dir für den neuen Tag, den du mir geschenkt hast. So bitte ich dich: Segne diesen Tag, dass es ein Tag des Heils werde, ein Tag, der mir und den Menschen um mich herum Segen bringt und Früchte trägt, die bleiben. Segne mich und alles, was ich heute in die Hand nehme, was ich anpacke, berühre, forme und gestalte. Lass meine Arbeit zum Segen werden für andere. Segne mich, damit ich selbst zu einer Quelle des Segens werden darf für die Menschen, denen ich heute begegnen werde.
Segne die Menschen um mich herum. Segne meine Familie, meinen Ehepartner, meine Ehepartnerin, meine Kinder, meine Freunde. Segne vor allem die Menschen, die es schwer haben mit sich selbst, die sich nicht gesegnet fühlen, sondern eher verflucht, die so viele verletzenden Worte in sich tragen und deine Segensworte überhören. Halte deine segnende Hand über sie, damit dein Segen alle Fluchworte aus ihnen vertreibt und ihnen die Gewissheit schenkt, dass ihr Leben Frucht trägt. Segne ihre Schritte, damit sie Schritte des Friedens werden. Segne ihr Tun und Reden, ihre Arbeit und ihr Ausruhn.
Segne auch die Räume meiner Wohnung. Vertreibe aus ihnen alle negativen Gefühle, die manchmal in ihnen hängen bleiben von den Konflikten, die nicht geklärt wurden. Segne die Räume meiner Arbeit, damit wir unsere Arbeit in einem Raum des Segens verrichten. Segne diese Räume, damit alle, die sie betreten, sich von deinem Segen umgeben wissen, damit sich ihre Herzen öffnen und sie sich von deinem Segen beschenken lassen. So begleite mich und alle Menschen heute mit deinem Segen. Und lass diesen Tag für mich und für die vielen Menschen, an die ich jetzt denke, heute zum Segen werden. Amen.
Körpergebet – Innehalten im Alltag
Aufrecht stehend:
Ich sammle mich und halte inne.
In dir, Geheimnis des Lebens, bin ich.
Ich bin umgeben von dir.
Hände gekreuzt auf Brusthöhe legen:
Auch in meinem Inneren bist du da.
Du trägst den Namen: Ich bin da.
Hände zu einer Schale formen:
Meine Seele lauscht in der Stille nach dir.
Hände zur Seite öffnen:
In allem suchst du die Begegnung.
In allem Lebendigen scheinst du mir entgegen.
Hände gekreuzt auf Brusthöhe legen:
In dir, Geheimnis des Lebens,
bin ich ganz bei mir und daheim in dir.
Hände zusammenführen und verneigen:
Amen.
Innehalten bei Glockengeläut
Wenn Sie die Glocken hören, sind Sie eingeladen, für einen Moment am Tag innezuhalten. Das Glockengeläut lädt zu einer Atempause ein. Das kleine Ritual kann Ihnen Struktur geben:
Hören Sie die Glocken bewusst.
Nehmen Sie für eine Weile Ihren Atem wahr – wie er kommt und geht, ganz von allein.
Die Glocken laden zum Gebet ein:
Gott, du bist da. Hier bin ich. Jetzt bin ich einfach da.
Ich halte für einen Moment inne.
Ich werde still vor dir und lege in deine Hände, was mich jetzt bewegt…
Stille
Ich lege meine Hand aufs Herz und denke an all die Menschen, mit denen ich mich verbunden weiß.
Mein Leben ist bei dir, Gott, aufgehoben und gehalten.
Amen.
Beenden Sie das kleine Ritual mit einem tiefen Durchatmen.
Am Ende des Tages – Ein Gebet zur Nacht
Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Psalm 91
Für das Gebet können Sie Ihre Hände wie eine offene Schale vor sich hinhalten.
Es ist Abend geworden, mein Gott.
Ein Tag geht zu Ende.
Du, Gott, weißt, wie mein Tag heute war.
Alles ist in deinen Händen sanft geborgen und aufgehoben.
Ich denke an das, was heute schön war und wofür ich dankbar bin…
Moment der Stille
Was mich jetzt noch beschäftigt und mir Sorge bereitet, vertraue ich dir an…
Moment der Stille
Du weißt um mich, mein Gott.
So lege ich mich in Frieden nieder. Bei dir kommt meine Seele zur Ruhe.
Ein kirchliches Abendgebet, das schon 1.600 Jahre alt ist, bittet:
"Herr kehre ein in dieses Haus und lass deine heiligen Engel darin wohnen.
Sie mögen mich in Frieden behüten".
Gottes Engel mögen mich in dieser Nacht mit ihrer Liebe umgeben und mich schützen vor allem, was mir schaden möchte.
Von Gottes Engeln eingehüllt kann ich mich in Gottes liebende Hände fallen lassen. Amen.
Der Engel der Geborgenheit
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Psalm 91,4
Der Engel der Geborgenheit möge Dich sanft mit seinen Flügeln bedecken. Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht.
Er möge bei Dir sein, wenn du Dich einsam fühlst.
Er möge Dein Licht sein, das im Dunkeln scheint.
Er möge in der Nacht Dein Schutz sein und Dich sanft in den Schlaf wiegen.
Der Engel der Geborgenheit weiß um Dein Leben. Das möge Dir Schutz und Frieden sein.
Dein Leben ist unter seinen Flügeln geborgen und behütet.
Der Engel der Geborgenheit möge Dir zeigen, dass Du mit allem, was in Dir ist, von Gott angenommen bist.
Der Engel der Geborgenheit lädt Dich ein, Dich in Gottes guten Händen zu bergen.
Geborgen in Gottes liebevollen Armen kannst Du alles Grübeln über Dich loslassen. Es ist gut so, wie es ist.


