Altbischof Huber schlägt ein neues Kapitel auf

Altbischof Huber schlägt ein neues Kapitel auf
Nach fast 16 Jahren Amtszeit schied Wolfgang Huber im vergangenen November als Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aus. Für den Beginn des Ruhestandes legte er sich ein "Schreib-, Interview- und Lehrverbot" auf. Bevor er im Dezember zu einem längeren Forschungsaufenthalt nach Südafrika reiste, war die Predigt in der Trauerfeier für den verstorbenen FDP-Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff im Brandenburger Dom seine letzte Amtshandlung.

Am "Institute for Advanced Study", das der Universität Stellenbosch verbunden ist, habe er sich mit den Fragen von Gerechtigkeit und der Bedeutung christlicher Ethik für eine politisch-plurale Gesellschaft wie die südafrikanische befasst, sagt der 67-jährige Theologieprofessor dem epd. Denn auch 20 Jahre nach dem Ende des Apartheid-Systems seien die Folgen der Rassentrennung noch nicht überwunden.

Nach gut vier Monaten ist Huber zurück in Berlin - und der Terminkalender wieder gefüllt. Anderes wäre auch verwunderlich bei einem derart dynamischen Kirchenmann, der mit dem Reformprozess "Kirche der Freiheit" und der Formel vom protestantischen Profil die evangelische Kirche in den vergangenen Jahren prägte. Zu Hubers Abschied als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Berliner Bischof bescheinigte ihm Bundespräsident Horst Köhler, er sei zu einer "intellektuellen und moralischen Instanz" geworden.

Einige Ehrenämter werde er weiterhin ausüben, sagt der Theologe und legt ausdrücklich Wert darauf, das geschehe in Absprache mit Bischof Markus Dröge, seinem Nachfolger in Berlin. So wird Huber dem Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche vorsitzen. Diese Potsdamer Stiftung setzt sich ein für den Wiederaufbau der "schönsten barocken Kirche aus der Zeit Preußens", so der Kuratoriumsvorsitzende. Die Ruine der im Krieg zerstörten Kirche war in DDR-Zeiten 1968 endgültig gesprengt worden.

Teilnahme am ÖKT in München

Auch seine ehrenamtlichen Aufgaben im Domstift Brandenburg und im Berliner Johannesstift werde er weiterhin wahrnehmen, sagt Huber. So leitet er als Dechant (geistlicher Vorstand) die Tagungen des Brandenburger Domkapitels.

Schon lange in seinen Terminplan eingeschrieben hat Huber den Ökumenischen Kirchentag in München Mitte Mai. Auch nach dem Ausscheiden aus den kirchlichen Leitungspositionen habe sich sein Verhältnis zum Kirchentag nicht verändert, versichert der Theologe, der selbst 1985 Kirchentagspräsident war.

In München wird er unter anderem eine Bibelarbeit halten und auf einem Podium mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie dem katholischen Münchner Erzbischof Reinhard Marx über Ethik und Finanzmarktkrise diskutieren. In einem Forum Sport erörtert Huber, seinem alten Hobby treu, das Thema "Keine Bildung ohne Bewegung".

Auch im außerkirchlichen Bereich gefragt

Ende Mai ist weiter ein Auftritt bei der XIV. Dietrich-Bonhoeffer-Vorlesung an der Universität Mainz geplant. Hubers Thema sind die Probleme und Perspektiven des deutschen Staat-Kirche-Verhältnisses unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Dimension. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, dem Huber persönlich verbunden ist, wird unter derselben Themenstellung den Aspekt Religionsfreiheit in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft beleuchten.

Im außerkirchlichen Bereich ist Huber ebenfalls gefragt: Noch im April wird der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende an einer Veranstaltung über "Leadership 2020" der Munich Business School mitwirken. Mit Wirtschaftsleuten geht es dabei um die Frage, über welche Kompetenzen Führungskräfte künftig verfügen müssen. Als Gast ist Huber ebenfalls zu den Baden-Badener Unternehmergesprächen und zum 68. Deutschen Juristentag im September in Berlin eingeladen. Geplant ist überdies eine Vortragsreise in die USA.

Drei Schwerpunkten wolle er sich intensiv widmen, kündigt Huber an: Wirtschaftsethik mit den Aspekten Finanzmarktkrise, Klimawandel und Staatsverschuldung, Bildung als zentrales gesellschaftliches Zukunftsthema, sowie Bioethik, also den ethischen Fragestellungen am Anfang und Ende des Lebens. Aktuelle kirchenpolitische Diskussionen werde er hingegen nicht kommentieren, sagt der Theologe.

epd