Sie nahmen Palmzweige und riefen: Hosianna!

Sie nahmen Palmzweige und riefen: Hosianna!
Mit dem feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem beginnt die Passionswoche und damit Leiden und Sterben des Mannes aus Nazareth. Vom "Hosianna" bis zum "Kreuzige ihn" ist es nicht weit.

So tritt nur ein König auf: Den festlichen Einzug Jesu in Jerusalem an dem Tag, den wir heute Palmsonntag nennen, müssen die römischen Besatzer und die jüdische Obrigkeit gleichermaßen als Provokation empfunden haben. Es folgen weitere Provokationen, das Leiden des Rabbi aus Nazareth am Kreuz zeichnet sich ab – doch es bleibt nicht beim Karfreitag: Das Grab wird leer sein, Jesus ist von den Toten auferstanden. Er lebt.

Der Palmsonntag ist der Beginn der Karwoche, in der die Christen an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz erinnern. In der evangelischen Liturgie trägt der Tag den lateinischen Namen "Palmarum", Sonntag der Palmen. Den Berichten der Evangelien zufolge ritt Jesus, der lange in Galiläa gepredigt hatte und dann nach Judäa zog, von Betanien am Ölberg aus auf einem Esel in die Stadt hinein und wurde vom Volk als Friedenskönig jubelnd empfangen.

Der Evangelist Johannes (12,12-19) beschreibt die Geschehnisse wie folgt:

"Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht: 'Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.' Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach."

Den Lobpreis der Tochter Zion übernimmt der Evangelist von dem Propheten Sacharia, der im sechsten vorchristlichen Jahrhundert wirkte. Auch die anderen Evangelisten sind bemüht, das Palmsonntagsgeschehen als Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen darzustellen. So berichtet Matthäus, Jesus sei auf gleich zwei Eseln – Mutter und Fohlen – nach Jerusalem geritten, was nicht gut möglich ist. Bei Sacharias Beschreibung des kommenden Friedenskönigs ist dagegen nur von dem Fohlen die Rede – offenbar ein Lesefehler des Evangelisten.

Beim Einzug in Jerusalem rufen die Menschen Jesus "Hosianna" entgegen, breiten ihre Kleider auf der Straße aus und streuen Palmzweige. Palmen wurden im Orient seit alters her als heilige Bäume verehrt – im Judentum galten sie als Sinnbild des Lebens und der Königsherrschaft. Die Christen sahen in ihnen später ein Symbol für den Triumph über Sünde und Tod.

Einst ein heidnischer Brauch

Die Palmenweihe war ursprünglich ein heidnischer Brauch – wie auch das Wort "Ostern" auf vorchristliche Frühlingskulte zurückgehen könnte – und sollte Häuser vor Blitz und Feuer schützen. Prozessionen, wie sie heute noch in der katholischen und orthodoxen Kirche üblich sind, sind im byzantinischen Christentum seit dem 4. Jahrhundert überliefert. Der Name Palmsonntag tauchte erstmals um 600 nach Christus in Spanien und dem damaligen Gallien auf.

Bei den dramatisch-liturgischen Nachahmungen des Einzugs Jesu in Jerusalem war oft auch der Palmesel dabei. Statt der Palmzweige konnten auch andere grüne, blühende Zweige verwendet werden. In Mitteleuropa verbreitete sich der Brauch im 11. und 12. Jahrhundert – da es hier ohnehin keine Palmen gab, wurden Buchen-, Weiden- oder Wacholderbeerzweige beliebt. Die sprichwörtlichen "Palmkätzchen" haben mit Palmen an sich nichts zu tun.

Konfirmation mit grünen Zweigen

In der katholischen Kirche bringen die Gläubigen am Palmsonntag noch heute die Zweige mit in die Kirche und zu den Umzügen, um sie segnen zu lassen. Sie symbolisieren das Erwachen des Frühlings und das Wachstum der Natur. Die evangelische Kirche kennt solche Einzugsfeiern nicht, doch der Palmsonntag ist in einigen Regionen als Konfirmationstag beliebt. Dabei ziehen die Mädchen und Jungen mit grünen Zweigen in die Kirche ein.

Wenn Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem geritten ist und viel Volk auf der Straße war, muss das Wetter gut gewesen sein – eine alte Bauernregel zumindest sieht das als gute Prognose an: "Ist der Palmsonntag ein heiterer Tag, für den Sommer ein gutes Zeichen sein mag."

mit Material von epd