Hilfe in Haiti: "Kinder schützen und stark machen"

Hilfe in Haiti: "Kinder schützen und stark machen"
In Haiti ist die Soforthilfe nach dem schweren Erdbeben vom Januar vorbei. Die Hilforganisationen sind aber noch da, wie die Kindernothilfe. Der Diakonie-Einrichtung liegt es nun daran, den Kindern in den zerstörten Regionen wieder ein normales Leben zu ermöglichen, die Schulen wiederherzustellen und sie vor Kinderhändlern zu schützen.

Jürgen Schübelin sitzt in Duisburg zwischen gepackten Koffern. Nach einem Noteinsatz im Erdbebengebiet in Chile will der Referatsleiter der Kindernothilfe wieder nach Haiti zurückkehren, das am 27. Januar von einem schweren Beben erschüttert worden war. Die unmittelbare Not- und Soforthilfe laufe jetzt aus, sagt Schübelin. Der Karibikstaat habe für die Kindernothilfe aber weiter Priorität.

"Wir müssen unser Engagement deutlich ausweiten", sagt Schübelin. In den kommenden Jahren gehe es vor allem um die Stärkung der Kinderrechte in Haiti sowie den erdbebensicheren Wiederaufbau von Schulen. Die Kindernothilfe ist seit 1981 gemeinsam mit Partnerorganisationen in der Dominikanischen Republik auf der Insel Hispaniola aktiv, vor allem mit Schulprojekten.

Kinder wurden durch das verheerende Erdbeben zu Waisen oder von ihren Eltern getrennt. Die mit Hilfe ausländischer Entwicklungsorganisationen aufgebauten Gesundheits- und Bildungseinrichtungen wurden zerstört. Traumatisierte und gestresste Erwachsene hätten in dieser Situation kaum noch Energie für die Kinder, berichtet Schübelin.

Geschützte Anlaufstellen im Freien

Inzwischen erreiche die Kindernothilfe mit ihren lokalen Partnern 3.000 Kinder in neun Kinderzentren, verteilt auf die Hauptstadt Port-au-Prince sowie die Regionen um Jérémie, Carrefour, Leogane und Jacmel. Ein kleines Projekt laufe auch an der Grenze zur Dominikanischen Republik.

Diese geschützten Anlaufstellen im Freien befinden sich in der Nähe von Notunterkünften oder Zeltstädten. Diese kinderfreundlichen Zonen sollen noch mindestens bis Jahresende betrieben werden. Dort erhalten die registrierten Kinder zwei Mahlzeiten am Tag, gekocht von Frauen aus dem Viertel, die sie hinter einem Sichtschutz einnehmen können. "Kinder sollen in Ruhe essen und trinken können, ohne dass sie von Älteren gedrängt werden, ihre Ration zu teilen oder abzugeben", erläutert Schübelin.

Die Mitarbeiter spielten auch mit den Kindern und organisierten ein Freizeitprogramm, sagt Schübelin: "Singen, spielen, malen". Dabei könnten die Kinder ihre Erlebnisse verarbeiten. "Wenn wir vorschlagen, ein Haus zu malen, dann malen sie ein Zelt, denn Häuser sind keine Wohnorte mehr", berichtet Schübelin. Koordiniert von einem fünfköpfigen Kernteam der Kindernothilfe sind insgesamt rund 300 Mitarbeiter, darunter auch Psychologen und Lehrer, für die neun Zentren im Einsatz.

Schulen bauen und Kinderhandel stoppen

Hinzu kommen drei Notschulprogramme. "Der Abstand zum Schulleben sollte für die Kinder nicht zu groß werden, bis die regulären Schulen alle wieder öffnen", sagt der Koordinator. Die Kindernothilfe unterstützt unter anderem Schulen wie die der Heilsarmee oder Dorfschulen in den Bergen bei Carrefour.

Die Kindernothilfe, die seit Jahren in Haiti mit einer Generalvollmacht ausgestattet ist, werde sich auch langfristig für die Stärkung von Kinderrechten engagieren, betont Schübelin. Er verweist vor allem auf die Situation der zahlreichen Kindersklaven, die ohne Bezahlung bis zu 14 Stunden meist in Mittelschichtshaushalten zu Diensten sein müssen.

Menschenhändlerinnen versprächen armen Eltern in den Dörfern, ihre kleinen Kinder als Pflegekinder in eine wohlhabende Familie zu geben. In Wahrheit verkauften die Menschenhändlerinnen die Kinder, die mit fünf Jahren oft noch zu klein seien, sich an den Namen ihres Herkunftsdorfes zu erinnern, in weit entfernte Haushalte.

epd