TV-Tipp: "Commissario Laurenti: Die Toten vom Karst" (WDR)

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TV-Tipp: "Commissario Laurenti: Die Toten vom Karst" (WDR)
Comissario Laurenti ist ein "Ermittler von der traurigen Gestalt". Szenen aus seinem desolaten Leben lockern eine komplexe Geschichte um Drogenschmuggel in Triest auf.

"Commissario Laurenti: Die Toten vom Karst", Samstag, 23. Januar, 20.15 Uhr im WDR

Die Handschrift ist unverkennbar. Das gleiche Team, das vor einigen Jahren für die ARD die Verfilmungen der Venedig-Romane von Donna Leon initiierte, hat sich auch Veit Heinichens Triest-Krimis vorgenommen: Produzentin Katharina M. Trebitsch, Regisseur Sigi Rothemund sowie sein Stammkameramann Dragan Rogulj. Anders als die stets etwas betulich wirkenden Filme über die Ermittlungen Commissario Brunettis sind die Geschichten über Commissario Laurenti allerdings von anderem Kaliber. Das liegt natürlich nicht zuletzt an den Vorlagen. Wo Donna Leon die Morbidität Venedigs hinter sorgfältig gepflegten Fassaden verbirgt und ihrem Helden als Ausgleich für die moralischen Abgründe des Verbrechens einen sichere familiäre Zuflucht bietet, lernt man Laurenti (Henry Hübchen) zum Auftakt als Wrack kennen: Seine Frau (die verstorbene Barbara Rudnik) hat sich eine Auszeit genommen; prompt versinkt der Kommissar in Depressionen und die Wohnung im Müll.

So gesehen war es recht clever, die Reihe mit Heinichens zweitem Roman zu beginnen. Andererseits ist die Hauptfigur ungleich interessanter als der Fall, denn der ist aufgrund der historischen Vorgeschichte einigermaßen verworren: Wenn man nicht weiß, dass sich jugoslawische Kommunisten und italienische Faschisten einst bis aufs Blut um das kroatische Istrien gestritten haben, lässt sich die Brisanz der Handlung kaum ermessen. Als ein in Triest lebender Kroate samt Familie bei einem Bombenanschlag ermordet wird, deutet daher alles auf eine alte Rechnung hin, zumal der Vater (Götz George) des Toten diffuse Drohungen flüstert. Auf die richtige Spur bringt Laurenti erst ein zufällig beobachteter Streit: Offenbar haben sie einen regen Drogenschmuggel betrieben. Doch welche Rolle hat der tote Feinkosthändler dabei gespielt?

Weder die prominenten Gastdarsteller (darunter Hannelore Hoger) noch ein mitunter beachtlicher Produktionsaufwand – Triest, die "Stadt der Winde", wird von einem mittleren Orkan heimgesucht - und schon gar nicht die des öfteren allzu dick aufgetragene Musik können verbergen, dass Heinichens Vorlagen womöglich zu komplex für eine Verfilmung sind. Hübchen ist dennoch sehenswert: Die traurige Verzweiflung des Chefs der Triester Kriminalpolizei führt immer wieder zu wunderbaren Szenen, zumal Laurenti ein echter Pechvogel ist und auch schon mal kopfüber im Fischcontainer verschwindet. Im Anschluss zeigt der WDR den zweiten Film der Reihe, "Gib jedem seinen eigenen Tod" (21.45 Uhr).


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" und die "Frankfurter Rundschau" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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