Zwischen zwei Welten: Die Einkaufschefin von Ford

Zwischen zwei Welten: Die Einkaufschefin von Ford
Eingekauft hat Birgit Behrendt schon immer gerne. "Privat am liebsten Designer-Schuhe", gibt sie zu und lacht. "Da erfülle ich wirklich ein Klischee." Ihr Hobby hat die 50-Jährige gewissermaßen zum Beruf gemacht: Sie ist Einkaufschefin bei Ford Europa in Köln. Mit einem Jahresetat von mehr als 20 Milliarden Dollar kauft sie alles, was das Unternehmen für den Bau seiner Fahrzeuge braucht - vom Außenspiegel bis zum Kotflügel. Als einzige Frau europaweit sitzt sie im Vorstand eines Automobilunternehmens.

Fragt man die Managerin, wie ein gewöhnlicher Arbeitstag für sie aussieht, fällt ihr zuerst ein Wort ein: "Hektisch." Meist ist Birgit Behrendt gegen 7 Uhr im Büro, dann jagt ein Termin den anderen: Besprechungen mit Mitarbeitern, Video-Konferenzen mit Kollegen in Asien oder den USA, Treffen mit Lieferanten. Vor 20 Uhr geht sie fast nie nach Hause. "Man muss in diesem Job schon Überzeugungstäter sein, sonst kriegt man ein Magengeschwür", sagt Behrendt. "Mir macht die Arbeit Spaß."

Einzige Frau europaweit im Vorstand eines Automobilunternehmens

Rund 1,8 Millionen Fahrzeuge hat Ford of Europe im vergangenen Jahr hergestellt. Für jedes Auto werden Bauteile im Wert von zwei Drittel der Gesamtkosten von außen dazugekauft. Behrendt handelt mit rund 750 Lieferanten in aller Welt die Konditionen aus. "Das faszinierende ist, dass ich wirklich was bewegen kann", sagt die Frau mit der Brille und dem blonden Pagenschnitt. "Ich habe nicht nur Einfluss auf die Kosten, sondern auch auf die Qualität." Dies alles vor dem Hintergrund der unter starkem Konkurrenzdruck stehenden Branche - "das fordert mich zu Höchstleistungen heraus".

Dass sie bei einem Autobauer landete, war eigentlich Zufall. "Als gebürtige Kölnerin war es naheliegend, sich nach dem Abitur bei Ford zu bewerben." 1978 begann sie dort eine kaufmännische Lehre, hängte später ein betriebswirtschaftliches Abendstudium an - angespornt von ihrem ersten Chef, der ihr Talent erkannte. Nach und nach arbeitete sie sich weiter hoch, suchte immer neue Herausforderungen. Heute sitzt sie im Aufsichtsrat und ist zuständig für die globalen Fahrzeugprogramme.

"So zwischen den Welten - das gefällt mir gut"

Eine Frau als Chefin in einer Männerdomäne - in einem amerikanischen Unternehmen sei das nicht so schwer zu erreichen wie in Deutschland, meint Behrendt. "Komisch eigentlich, denn beim Autokauf treffen Frauen schließlich zu 70 bis 80 Prozent die Kaufentscheidung." Immerhin: Etwa ein Drittel ihrer 600 Mitarbeiter ist weiblich.

Für ihr Privatleben bleibt der Managerin bei ihren langen Arbeitstagen kaum Zeit. Um den Haushalt kümmert sich ihr Ehemann, Kinder hat das Paar nicht. Wenn sie dazu kommt, liest sie oder geht joggen. "Außerdem bin ich gerne am Wasser." In Detroit, wo Behrendt während ihrer Arbeit in der Ford-Zentrale sechs Jahre lang gelebt hat, besitzen die Eheleute ein Boot. Dort, an den Großen Seen, verbringen sie oft ihren Urlaub. Auch beruflich fliegt Behrendt mehrmals im Jahr in die USA.

Die Amerikaner hätten zu vielen Dingen eine positivere Einstellung als die Deutschen, hat sie festgestellt. "Für die Deutschen ist das Glas immer halb leer, für die Amerikaner halb voll." Trotzdem: "Ich bin zwar gerne in den USA, aber auch gerne in Köln, wo meine Wurzeln sind", sagt sie. "So zwischen den Welten - das gefällt mir gut."

dpa