Raue Nächte - wenn die wilde Jagd unterwegs ist

Raue Nächte - wenn die wilde Jagd unterwegs ist
Jeden Tag erklären wir in der Adventszeit einen Begriff rund um die besinnlichen Tage. Diesmal werfen wir einen Blick voraus, auf die Nächte "zwischen den Jahren."

Als Raunächte gelten gemeinhin die sogenannten Tage zwischen den Jahren, vom 24. Dezember bis zum 5. Januar. Manchmal wird auch ab dem 22.12. gezählt, der Nacht der Wintersonnenwende. "Zwischen den Jahren" meinte den fehlenden Zeitraum zwischen dem Mondjahr und dem Sonnenjahr. Ersteres umfasst nur 354 Tage, weil keine Schaltmonate eingeschoben werden, um mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bleiben. Um im Sonnenjahr zu bleiben, hängte man die fehlenden zwölf Nächte an. Nächte, die eigentlich gar nicht existieren, aus dem gewöhnlichen Jahreskreislauf, aus der Zeit herausfallen, zwischen den Jahren liegen.

Außerhalb der Zeit

Das bedeutete, dass die normalen Gesetze der Natur und der Welt außer Kraft gesetzt waren, die Grenzen zu den Reichen der Toten und der Geister waren geöffnet. Auf der ganzen Welt fanden und finden in solchen Zeiträumen vielfältige auch vorchristliche Rituale statt, die sich bei uns im Brauchtum bis heute erhalten. Welcher Brauch wirklich wie alt ist, lässt sich heute nur noch schwer sagen. Eine Möglichkeit für die Herkunft des Wortes Raunacht könnte aber das Räuchern des Hauses mit Wacholder, später mit Weihrauch gewesen sein, um böse Geister zu vertreiben.

Gefährliche Nächte

Die zwölf Raunächte galten auch als Zeit in der Voraussagen getätigt werden können. In manchen bäuerlichen Gegenden Österreichs und Bayerns entsprach jeder Tag einem Monat des Jahres und wurde als Ausblick auf die Zukunft betrachtet. Das allgemein heute noch bekannteste Überbleibsel dieser Bräuche dürfte das Bleigießen sein. Vor allem aber sind die Raunächte die Zeit der bösen Geister, nach altgermanischen Vorstellungen auch die der Wilden Jagd, die umgeht. Wotan sollte dann mit den Seelen der Toten durch die Lande reiten. Es gab unzählige Regeln, an die man sich zu halten hatte, um Geistern und Göttern nicht in die Quere zu kommen. Keine weiße Wäsche oder überhaupt eine Wäscheleine durfte gehängt werden, damit nicht ein unheimliches Wesen darin hängenblieb. Lautstarke nächtliche Umzüge, mit Glocken, Kettengerassel und grimmig aussehenden geschnitzten Masken werden in Österreich bis heute abgehalten, um die Geister fernzuhalten oder zu vertreiben. Auch Feuerwerke und das Böllerschießen zu Sylvester gehen auf diese Vorstellungen zurück.

Bis in die Neuzeit galten einige der Raunächte, als derartig gefährlich, dass man sie in manchen christlichen Gegenden mit fasten und beten verbrachte.