Malediven: 18 Zentimeter bis zum Untergang

Malediven: 18 Zentimeter bis zum Untergang
Die Erderwärmung bedroht den ganzen Planeten, doch am größten ist die unmittelbare Gefahr für die Inseln im Indischen Ozean. Eine davon sind die Malediven - noch ein Urlaubsparadies.

Beim Klimagipfel in Kopenhagen wird eine Nation fehlen, die vom Klimawandel bedroht ist wie kaum eine andere: die Malediven. "Wir können uns die Teilnahme schlicht nicht leisten, unser Haushaltsdefizit war noch nie so hoch wie heute", begründet der Präsident der Inselgruppe, Mohammed Nasheed, die Entscheidung. Das wenige Geld, das die Regierung trotz der globalen Wirtschaftskrise noch hat, ist wichtigeren Dingen vorbehalten. An erster Stelle einem Fonds, mit dem Nasheed ein neues Land für die 300.000 Bewohner der Malediven kaufen will.

Denn den Trauminseln im Indischen Ozean, gelegen zwischen dem indischen Subkontinent und Afrikas Ostküste, droht der Untergang. Der höchste Punkt der gut 1.000 Inseln liegt nur 2,4 Meter über dem Meeresspiegel. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) geht davon aus, dass ein klimabedingter Anstieg des Meeresspiegels von nur 18 Zentimetern bereits weite Teile der Malediven unbewohnbar machen würde - die 60 Zentimeter, die manche Klimaforscher bis zum Jahr 2100 voraussagen, würden die Nation praktisch komplett verschwinden lassen.

"Wir werden sterben"

Kein Wunder, dass Nasheed zu den lautstärksten Befürwortern eines verbindlichen Klimaabkommens gehört, über das in Kopenhagen verhandelt wird. "Wenn wir uns in Kopenhagen nicht auf eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad einigen, werden wir sterben", warnt Nasheed, der Anfang des Monats einen Appell der vom Klimawandel bedrohten Nationen initiiert hat. "Was wir brauchen, ist ein Überlebenspakt, keinen Selbstmordpakt", heißt es darin.

Um Öffentlichkeit für sein Anliegen zu schaffen, schreckt Nasheed vor nichts zurück. Mitte Oktober ließ der Präsident sein Kabinett in Taucheranzüge steigen, um bei einer Sitzung unter Wasser eine Erklärung zu verabschieden, die zur Reduktion von Treibhausgasen in der industrialisierten Welt aufruft. Die Bilder gingen um die Welt. "Wenn die Malediven nicht gerettet werden, glaube ich kaum, dass es für den Rest der Welt noch Hoffnung geben wird", verkündete der klatschnasse Präsident kurz danach.

Umsiedlungspläne in der Schublade

Auch wenn die Regierung bereits für Landkäufe in Indien oder Australien spart, um die Bevölkerung notfalls umsiedeln zu können, hat man die Hoffnung auf den Malediven noch nicht aufgegeben. Auf einer kleinen Insel nördlich der Hauptstadt Male' entsteht in den kommenden anderthalb Jahren die erste Windkraftanlage der Malediven, die die Hälfte des Strombedarfs decken soll.

"Wir tun das, weil wir ein Umweltbewusstsein haben", so Nasheed, der von allen Entwicklungsländern Kohlendioxid-Neutralität fordert. "Wenn die, die am wenigsten haben, das meiste tun, welche Ausflucht gibt es dann noch für die Reichen, weiter untätig zu bleiben?" In zehn Jahren, so Nasheeds Vision, sollen die Malediven der erste CO2-neutrale Staat sein. Die Windanlage allein soll den Treibhausgasausstoß der Inselgruppe um ein Viertel senken.

Rettungsinsel angelegt

Allzu groß scheint das Vertrauen der Insulaner auf erfolgreiche Klimaverhandlungen nicht zu sein. Davon zeugt Hulhumale', eine Insel im Norden der Hauptstadt. Die Bewohner nennen sie schlicht "die Zukunft der Malediven". Auf fast zwei Quadratkilometern sind hier seit 1997 Korallenschutt und Sand aufgeschüttet worden, bis das Atoll durchgehend auf zwei Metern über dem Meeresspiegel angehoben war. Erste Apartmentblocks, Läden und Moscheen stehen bereits. Bis 2020 soll hier ein Sechstel der Bevölkerung leben, vergleichsweise sicher vor dem Anstieg des Meeresspiegels. Eine Erweiterung ist bereits in Planung: Dann sollen 100.000 Menschen auf der Rettungsinsel Unterschlupf finden.

epd

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