Guido Westerwelle: Im dritten Anlauf am Ziel

Guido Westerwelle: Im dritten Anlauf am Ziel
Im dritten Anlauf hat es FDP-Chef Guido Westerwelle geschafft. Seit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden vor acht Jahren hatte der Rechtsanwalt aus Bonn nur ein Ziel vor Augen: Die Freien Demokraten wieder an die Regierung zu bringen. Jetzt könnte er bald Vize-Kanzler und Außenminister werden.

   Dass den Freien Demokraten unter Westerwelles Führung nach den langen Oppositionsjahren die Rückkehr auf die Regierungsbank gelungen ist, dafür feierten ihn seine Anhänger am Sonntagabend in den "Römischen Höfen" in Berlin-Mitte frenetisch. Für Westerwelle ist es die Krönung einer Karriere, die als politische Achterbahnfahrt verlaufen ist. Jetzt könnte der 47-Jährige bald Vize-Kanzler und Außenminister werden.

Einst als oberflächlicher Yuppie verschrieen ...

Als der "ewige Guido" wurde Westerwelle verspottet wegen seiner manchmal penetranten Medienpräsenz, die ihn über Jahre seinem Ziel einer Regierungsbeteiligung im Bund nicht näher brachte. Jahrelang klebte an Westerwelle das Image des oberflächlichen Yuppie. Er stieg in den "Big-Brother"-Container, um mit Blödeleien Stimmen zu gewinnen. Als Spaßpolitiker tourte er 2002 wahlkämpfend mit dem "Guidomobil" durch die Lande.

Nach dem berühmten "Schuh mit der 18", den Westerwelle in einer Talkshow als sein Wahlziel in die Kamera hielt, wird er noch heute in Interviews gefragt. Er habe aus früheren Fehlern gelernt, sagt er heute. Dazu gehört auch, dass er inzwischen offen mit seiner Homosexualität umgeht und sich ohne Scheu mit seinem Lebenspartner Michael Mronz zeigt. So stand Mronz auch an diesem Wahlabend an seiner Seite auf der Bühne bei der FDP-Fete.

... nun mit Glaubwürdigkeit gepunktet

Mit dem Wahlsieg vom Sonntag rückt Westerwelle zum erfolgreichsten Parteivorsitzenden der FDP auf. Der frühere Mitbegründer der Julis machte zielstrebig Parteikarriere. 1994 wurde er FDP-Generalsekretär, 2001 verdrängte er Wolfgang Gerhardt von der Parteispitze. In 60 von 67 Wahlen hat die FDP seitdem meist kräftig zugelegt.

   Seit 2005 hat sich Westerwelle ein neues Image verschafft. Nicht mehr Spaßpolitiker, sondern staatstragend - der von CSU-Mann Edmund Stoiber 2004 noch als "Leichtmatrose" abgekanzelte FDP-Chef setzte vor allem auf Glaubwürdigkeit. Vor vier Jahren schlug er noch in der Wahlnacht das Angebot des unterlegenen SPD-Kanzlers zu einer Ampel-Koalition aus und ging in die Opposition.

"Politik mit Verstand und mit Herz"

   Damit befreite er die FDP vom Makel der Umfaller-Partei. Auch 2009 setzte er ganz auf diese Karte: "Unser Wort gilt." Der "kalte Prophet des Neoliberalismus" ist zumindest verbal in diesem Wahlkampf in der Versenkung verschwunden. "Politik mit Verstand und mit Herz" verkündete er jetzt im Wahlkampf landauf, landab. Die Partei folgte ihm geschlossen wie nie zuvor.

   Wird Westerwelle nun Außenminister? Kaum jemand in der Partei glaubt, dass die FDP auf diesen Posten verzichten kann. Mit dem Wahlsieg hat sich seine Absicht verfestigt: "Er will das Amt haben. Er will eine Furche in dieser Republik hinterlassen", sind sich seine Vertrauten sicher.

dpa