Kirchengucken und Kirchenfinden

Kirchengucker

Foto: kirchengucker.de

Taufengel in der Dorfkirche Komptendorf, Lausitz

Ob im Urlaub oder beim Wochenend-Ausflug: Alte Kirchen sind immer einen Besuch wert. evangelisch.de stellt zwei Online-Dienste vor, die das Finden von besonders spannenden Kirchen erleichtern. Neben schönen Farben und kostbaren Engeln gibt es in manchen sogar Vögel zu sehen.

So oft es geht ziehen die beiden Hobby-Ornithologen Sven und Katrin Lohmann aus Cottbus ins Grüne, um Vögel zu beobachten. Geflügelte Wesen suchen sie aber nicht bloß in Gottes freier Natur, sondern auch in Kirchen. Und nicht immer fällt es leicht zu bestimmen, was etwa in der Cottbusser Oberkirche ganz weit oben an einem Stützpfeiler zu sehen ist. Hockt dort eine Taube, ein Adler oder gar ein Pelikan?

Der Stieglitz als Zeichen für das Leiden Jesu

"Wenn es ein Pelikan ist, dann wäre der Pelikan ein Christus-Symbol. Weil man früher angenommen hat, dass der Pelikan seine Brust öffnet und in Notzeiten seine Küken mit seinem Blut füttert", erklärt Lohmann, Fachmann für Ornithologie und Christologie. Der Theologie-Student wird wahrscheinlich bald Pfarrer sein.

Doch schon jetzt sind die Lohmanns als ehrenamtliche Kirchenführer tätig. Durch Kirchen führen wollen sie aber auch virtuell, nämlich auf ihrer eigenen Internetseite: Kirchengucker.de. Und da gibt es noch mehr Geflügeltes zu entdecken.

Etwa den Stieglitz, auch Distelfink genannt, Zeichen für das Leiden Jesu. Katrin Lohmann weiß noch mehr: "Bei der Schöpfung waren erst alle Vögel dran und Gott hat sie alle geschaffen und angemalt. Doch am Ende war die Mischpalette alle und die restlichen Farben sind bunt auf dem Stieglitz verteilt worden. Darum sieht er so aus, wie er aussieht." Manchmal treffen die Kirchengucker bei ihren Exkursionen auf eine ganz besonders bedrohte Art. Zum Beispiel in der Kirche von Komptendorf in der Lausitz. Dort hängt ein gut erhaltener Taufengel aus dem frühen 18. Jahrhundert von der Decke.

Die Kirche ist ein Schutzraum

Alle Exkursionen sind nachzulesen auf der Non-Profit-Seite Kichengucker.de. Dort geht es unter anderem um die Ikonographie des Alten und Neuen Testaments, um Baustilkunde oder Bibelbesprechungen. Zum Service gehören auch Tourempfehlungen und Hinweise auf Events wie Jazz in der Kirche.

Pfarrer Wolfgang Wesenberg unterstützt das kirchengucker-Projekt ausdrücklich. Er bildet in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz ehrenamtliche Kirchenführer aus. Auch die Lohmanns haben bei ihm gelernt. Dass von Montag bis Samstag mehr Leute in die Kirche gehen als sonntags zum Gottesdienst, versucht er mit dem Philosophen Michel Foucault zu erklären."Kirchen sind heterotope Räume, in denen es anders zugeht als anderswo. Und auch wenn ich kein Christ bin, komme ich ja in einen Raum, der normalerweise leise ist, dicke Mauern hat, der eine gewisse Ursprünglichkeit besitzt, wo sich auch eine gewisse Geschichte abgelagert hat", erklärt der Theologe. "Es ist auch ein Schutzraum. Ich werde nicht angesprochen und auch nicht beworben, sondern ich habe da eine gewisse Ruhe."

Die Entdeckungsfreudigen brauchen ihre Erlebnisse aber nicht mehr für sich zu behalten, sondern können ihre Kirchenreise-Berichte jetzt auch auf Kirchengucker.de online stellen lassen. Für Fotos gibt es ein Formular zum Hochladen.

Wer jedoch christliche Gemeinden und deren Angebote direkt in seiner Nähe finden will, der ist bei der Kulturkirchen-App der EKD wohl noch besser aufgehoben. Seit gut drei Jahren gibt es diesen kostenfreien Service, bei dem schon jetzt rund 1300 evangelische Kirchen in Deutschland zu finden sind. Die Stecknadeln auf der Landkarte lassen sich anklicken. Welche Komponisten oder Orgelvirtuosen haben in den Kirchen gewirkt? Welche Architekten und Baumeister haben beeindruckende Rundbögen, Apsiden und Kirchtürme ersonnen? Wo kann ich in der nächsten Zeit Konzerte, Lesungen oder andere Events besuchen?

Erweiterung auf Moscheen und Synagogen denkbar

"Erst kommt man über ein Bild zu der Kirche, und dann kann man sich immer mehr vertiefen. Wer war Paul Gerhardt? Da kann ich mir auf meinem Smartphone gleich ein paar Lieder von ihm anhören", erklärt Klaus-Martin Bresgott aus dem Kulturbüro der EKD in Berlin, der die App hauptamtlich verantwortet und betreut. Die Seite bietet einen tagtäglichen Bach-Kalender. Das Reformations-ABC und ein umfangreiches Glossar geben ihr umfangreiches und ständig wachsendes Wissen preis.

Die "Kirche für Kinder" eröffnet einen virtuellen Erklär-Rundgang in Versform: "Zum Essen gibt es Brot und Wein. Mit einem Kelch lädt Jesus ein." Ob das mit 3-D-Ballerspielen und interaktiven Rollenspielen mithalten kann, ist fraglich. Aber Klaus-Martin Bresgott ist vom Erfolg seiner App überzeugt. Schon jetzt würden täglich 50-100 Besucher auf Kulturkirchen.org klicken, und das sei ein guter Wert. Gemeinden können ihre Kirche und Terminhinweise kostenfrei eintragen.

Auch wenn der Kulturkirchen-Service im Zuge der Luther-Dekade bis 2017 ein bisher rein evangelisches Projekt ist, so könnten sich auch katholische Gemeinden eintragen, verspricht der gelernte Kulturmanager und Musiker Bresgott: "Das ist eine Kultur-App. Und das ist schon ökumenisch per se, allein schon, weil sie sich mit der Kulturgeschichte der ganzen Umgebung befasst!"

Auch eine Erweiterung der Kulturkirchen-App auf Synagogen und Moscheen ist für Klaus-Martin Bresgott durchaus denkbar. Egal ob Kirchengucken oder Kirchenfinden, der Besuch beider Webseiten lohnt sich auf jeden Fall.