Suchtexperten fordern Wende in der Drogenpolitik

Suchtexperten fordern Wende in der Drogenpolitik
Suchtexperten und Nichtregierungsorganisationen haben eine "Wende" in der Drogenpolitik der Bundesregierung gefordert. Der Reformstau müsse aufgelöst werden, sagte der Soziologe Bernd Werse vom Frankfurter Uni-Zentrum für Drogen-Forschung am Mittwoch in Berlin.

Der jahrzehntelange Kampf gegen Drogen zeige, dass das Strafrecht nicht geeignet sei, Gesundheitspolitik zu betreiben. Es gebe eine Lücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den staatlichen Maßnahmen. Repression und Strafverfolgung schafften nur die "Illusion, die Probleme im Griff zu haben und richten in Wirklichkeit viel Schaden an", sagte Werse bei der Vorstellung des ersten Alternativen Drogen- und Suchtberichtes mehrerer Organisationen und Wissenschaftler.

Sie fordern unter anderem ein vollständiges Verbot von Werbung für Drogen wie Alkohol und Tabak, einen erschwerten Zugang zu Tabakprodukten durch Erhöhung der Steuer und eine Entkriminalisierung des Besitzes von illegalen Drogen für den Eigenbedarf. So könne derzeit schon der Besitz von zwei bis drei Cannabis-Pflanzen mit mindestens einem Jahr Haft bestraft werden, sagte Maximilian Plenert vom Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik (akzept).

Die Geschäftsführerin der Deutschen Aids-Hilfe, Silke Klumb, verwies darauf, dass schon mit einfachen Mitteln wie der Einrichtung von Drogenkonsumräumen die Zahl der Drogentoten in Deutschland erheblich gesenkt werden könne. Trotzdem gebe es solche Einrichtungen bislang nur in sechs Bundesländern.

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