Bewegender Abschied von Reinhard Höppner

Beisetzung Reinhard Höppner

Foto: dpa/Jens Wolf

Nikolaus Schneider (M), Vorsitzender des Rates der EKD während der Beisetzung von Reinhard Höppner (SPD) in Magdeburg

Bewegender Abschied von Reinhard Höppner
Eine große Zahl von Wegbegleitern nahm am Samstag vom ehemaligen Ministerpräsidenten Reinhard Höppner Abschied. Die Vielfalt der Trauergäste machte auch die Verdienste des Verstorbenen noch einmal deutlich.

Rund 700 Menschen haben am Samstag im Magdeburger Dom Abschied von dem verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Reinhard Höppner (SPD) genommen. Darunter waren viele bekannte Gesichter aus Politik und Kirche. Die Predigt in dem Gottesdienst hielt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

Das Herz von Höppner habe leidenschaftlich gebrannt für seine Kirche, den Kirchentag und eine lebensfreundliche Politik, würdigte Schneider den Verstorbenen. Dazu zu ermutigen, selbstbewusst neue Wege zu bahnen und zu wagen, sei eine Gabe gewesen, die Höppner sein Leben durchgängig geprägt habe. Er sei kein realitätsferner Don Quijote gewesen. Stattdessen habe er abgewogen, wo sich auseinandersetzen und kämpfen lohne, sagte der EKD-Ratsvorsitzende.

In die Predigt waren mit Textbeiträgen auch die drei erwachsenen Kinder Ulrike, Friedemann und Miriam Höppner einbezogen. An den Fürbitten wirkte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit. Er sagte, Höppners Handeln im politischen Leben sei von Vernunft, Empathie und Aufrichtigkeit bestimmt gewesen.

Verschiedene Funktionen in der evangelischen Kirche

Unter den Politikern im Dom waren auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe und der ehemalige Bundesminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) sowie der letzte frei gewählte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere (CDU). Als Vertreter der Kirchen nahmen unter anderem Landesbischöfin Ilse Junkermann, die Altbischöfe Axel Noack und Christoph Demke sowie der frühere Magdeburger katholische Bischof Leo Nowak teil.

In der Politik war Höppner zunächst Vizepräsident der im März 1990 frei gewählten DDR-Volkskammer. Das Amt des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt hatte der Sozialdemokrat von 1994 bis 2002 acht Jahre lang inne. Von 1994 bis 1998 führte er eine rot-grüne Minderheitsregierung und regierte von 1998 bis 2002 allein mit der SPD, jeweils unter Tolerierung der damaligen PDS. Dieses "Magdeburger Modell" brachte ihm bundesweit auch heftige Kritik ein.

Der promovierte Mathematiker gehörte von 1972 bis 1994 der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen an. Mehrere Jahre war er zudem Präses der Landessynode. Höppner war von 2001 bis 2007 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags und 2007 Präsident des Kölner Kirchentags.

Höppner war in der Nacht zum Pfingstmontag (9. Juni) im Alter von 65 Jahren gestorben. Nach dem Gottesdienst wurde er auf dem Magdeburger Westfriedhof beigesetzt. Wie am Samstag bekannt wurde, soll es am 3. Juli eine weitere Trauerfeier im Gedenken an Höppner geben. Sie wird von der Landesregierung Sachsen-Anhalts organisiert.