Bischof Hein: Traditionelles Pfarrhaus hat ausgedient

Bischof Hein: Traditionelles Pfarrhaus hat ausgedient
Das traditionelle Pfarrhaus als "Hort des modellhaft bürgerlich-christlichen Lebens vor Ort" hat nach Ansicht des Kasseler Bischofs Martin Hein ausgedient.

Auf einer bundesweiten Tagung der Luther-Gesellschaft Wittenberg am Samstag in Eisenach sagte der Bischof, seit Öffnung des Pfarrberufs für alle gesellschaftlichen Schichten seien "klassische Bildungsbürger" nicht mehr die Mehrheit. Im Pfarrhaus gebe es längst "alternative Lebensstile aller Art".


Entsprechend diffus seien die Erwartungen an Pfarrer. Durchaus noch erwartet werde die klassische Familie mit Vollzeitjob, "mindestens drei flötespielenden Kindern" sowie einem in Haus und Gemeinde engagierten Ehepartner. Beim kirchlichen Engagement würden an Ehemänner von Pfarrerinnen geringere Erwartungen gestellt als an Pfarrfrauen. Bei gleichgeschlechtlichen Partnern "ändert sich das Bild noch einmal", fügte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihrer theologischen Kompetenz seien in der aktuellen Situation einer "Konkurrenz der Sinnangebote" für die kirchliche Verkündigung unersetzbar. Diese Aufgabe könne von Ehrenamtlichen zwar in hohem Maße flankiert, niemals aber ersetzt werden. Als unerlässlich für eine Zukunft mit weniger Kirchenmitgliedern und Pfarrstellen nannte der Bischof neue Modelle der Kooperation sowie in der Teilzeit- und der projektbezogenen Arbeit.

Auf der Eisenacher Tagung diskutieren seit Freitag Pfarrer, Theologen und interessierte Laien über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des evangelischen Pfarrhauses und des Pfarrberufs.

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