DGB: Textilindustrie muss im Fall Rana Plaza Verantwortung zeigen

DGB: Textilindustrie muss im Fall Rana Plaza Verantwortung zeigen
Ein Jahr nach dem katastrophalen Einsturz einer Fabrik in Bangladesch hat DGB-Chef Michael Sommer an die deutsche Textilindustrie appelliert, zu ihrer Verantwortung zu stehen und Entschädigungen zu zahlen.
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"Ich erwarte, dass die Textilindustrie ihren Anteil zur Entschädigung der Angehörigen der Opfer leistet", sagte der scheidende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. Zugesagt seien 40 Millionen Dollar, eingegangen seien aber bislang lediglich elf Millionen Dollar.


Sommer äußerte die Erwartung, dass die Kompensationzahlungen bis Freitag eingehen. Andernfalls werde er ab Samstag die säumigen Unternehmen anschreiben und diese Briefe veröffentlichen. "Da steht noch viel aus", sagte Sommer. "Wir werden da keine Ruhe geben." Er war Anfang April nach Bangladesch gereist, um sich über die aktuellen Arbeitsbedingungen zu informieren.

Beim Arbeitsschutz vor Ort habe es seit der Katastrophe von Rana Plaza vor einem Jahr durchaus erste Fortschritte gegeben. "Einige Textilfabriken haben sich zusammengeschlossen und machen jetzt einen Vernünftigen Arbeitsschutz", sagte Sommer. Das machten aber nicht alle. Der Mindestlohn für Textilarbeiter sei von der Regierung in Bangladesch um 60 Prozent erhöht worden. Diese Erhöhung sei aber sofort von den rasant gestiegenen Mieten für die Gemeinschaftsunterkünfte aufgebraucht worden, so dass für die Arbeiter letztendlich wenig übrigbleibe.

Der Einsturz der Textilfabrik von Rana Plaza am 24. April 2013 war das schwerste Fabrikunglück in der Geschichte Bangladeschs, wo viele Textilfirmen aus aller Welt nähen lassen. Als Reaktion auf das Unglück, bei dem 1.100 Textilarbeiter starben, unterzeichneten zahlreiche Handelskonzerne ein rechtlich bindendes Abkommen für Feuer- und Gebäudesicherheit.

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