Der lange Weg zum Frieden

Bund für Soziale Verteidigung besteht 25 Jahre

Foto: epd/Bund für Soziale Verteidigung

Seit 25 Jahren setzt sich der Bund für Soziale Verteidigung in Krisengebieten für gewaltfreie Konfliktlösungen ein. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte 1989 die Grünen-Politikerin Petra Kelly (zweite von links).

Der lange Weg zum Frieden
Der Bund für Soziale Verteidigung setzt sich seit 25 Jahren weltweit für gewaltfreie Konfliktlösung ein. Das Jubiläum feiert die Organisation mit einer Tagung zum Thema "Friedens(t)räume".

Der Waffenstillstand auf der philippinischen Insel Mindanao war brüchig, als Christine Schweitzer vom Bund für Soziale Verteidigung die Friedensfachkräfte der "Nonviolent Peaceforce" besuchte. Die muslimischen Rebellen wollten wieder kämpfen, denn Regierungstruppen seien ausgerückt, so die Gerüchte. "Die zivilen Peacekeeper klärten die Sache durch mehrere Handy-Anrufe", erinnert sich Schweitzer. Als sie dem Rebellen-Chef glaubhaft versicherten, die Streitkräfte sollten bloß verlegt werden, blies er die Kampfaktion ab.

Kritik an Rüstung und Militär

"Ein Beispiel, wie ein Gewaltausbruch mit friedlichen Mitteln verhindert werden konnte", sagt die Geschäftsführerin des Bundes für Soziale Verteidigung, Schweitzer. Vor 25 Jahren, am 12. März 1989, gründeten Pazifisten im westfälischen Minden den Verband, dem heute rund 450 Mitglieder und 40 Organisationen angehören. "Wir verbinden das Eintreten für gewaltfreie Konfliktlösung weltweit mit grundlegender Kritik an Rüstung und Militär", erklärt Co-Vorsitzende Ute Finckh-Krämer. Anlässlich des Jubiläums will der Verband mit einer Tagung vom 14. bis 16. März in Minden die bisherige Arbeit bilanzieren und laut Titel "Friedens(t)räume" entwerfen.

Zu den Gründungsmitgliedern des Bundes für Soziale Verteidigung gehörten 1989 Persönlichkeiten wie der Grünen-Politikerin Petra Kelly (1947-1992) und der Friedensforscher Theodor Ebert. Mit "sozialer Verteidigung" - der Bewältigung von Konflikten mit gewaltfreien Formen und Methoden - hatte die Friedens- und Ökologiebewegung in den 1980er Jahren ermutigende Erfahrungen gemacht. "Ob in Mutlangen oder Wackersdorf - die gewaltfreien Proteste waren stets wirksamer", sagt Finckh-Krämer, die als SPD-Abgeordnete im Bundestag vertreten ist.

Der Bund für Soziale Verteidigung machte es sich zur Aufgabe, das friedenspolitische Konzept weiter zu entwickeln. Hoffnungen auf eine "Friedensdividende" nach der Wende 1989 zerstoben rasch. Stattdessen tobten bald neue Kriege im zerfallenden Jugoslawien. Von Minden aus wurde 1994 das "Balkan Peace Team" ins Konfliktgebiet entsandt. Christine Schweitzer und andere Aktivisten konnten zwar den Krieg nicht stoppen, aber es gelang ihnen, über die neuen Staatsgrenzen hinweg Menschenrechtsgruppen zu verbinden und einen Dialog zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen in Serbien und Kosovo aufrecht zu erhalten. Schweitzer: "Wir haben geholfen, die Menschen auf die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten."

Die SPD-Bundestagsabgeodnete Ute Finckh-Krämer, Mitgründerin des Bundes für Soziale Verteidigung, ist heute Co-Vorsitzende des Verbandes.

In Deutschland richtete der Verband sein Augenmerk auf die Schulen und etablierte Methoden der friedlichen Streitschlichtung. Als sein nachhaltigster Erfolg gilt der Aufbau des seit 1999 vom Bundesentwicklungsministerium finanzierten Zivilen Friedensdienstes: Entwicklungs- und Friedensorganisationen entsenden weltweit Fachkräfte, die in Konfliktgebieten die Bevölkerung bei der friedlichen Regelung von Streitigkeiten beraten. 

Noch einen Schritt weiter geht die mit gegründete internationale "Nonviolent Peaceforce" (NP). Die unbewaffneten Friedenskräfte versuchen bei kriegerischen Konflikten die Zivilbevölkerung zu schützen und Gewalt einzudämmen - wie etwa auf den Philippinen, wo der Bürgerkrieg in Mindanao binnen 30 Jahren mehr als 120.000 Menschenleben kostete. Inzwischen gehört die NP dort dem internationalen Beobachterteam an, das den Friedensprozess zwischen Regierung und Muslim-Rebellen überwacht.

Leider setze die Politik immer noch viel zu häufig auf militärische Einsätze, weil die Möglichkeiten der Friedensarbeit noch zu wenig bekannt seien, beklagt die Vorsitzende des Bundes für Soziale Verteidigung, Finckh-Krämer. Grundsätzlich begrüßt die SPD-Politikerin eine aktivere außenpolitische Rolle Deutschlands. "Doch wir sollten helfen, Konflikte zu deeskalieren."

"Es gibt viel, das man tun kann"

Friedensprozesse seien langwierig, sagt Christine Schweitzer. "Wenn alle Seiten nicht wollen, stoßen wir an unsere Grenzen. Aber es gibt viel, dass man tun kann." So sei die Bearbeitung von Traumata heute Standard bei der Befriedung nach einem Krieg, erklärt die Friedensforscherin. Man müsse auch die wirtschaftliche Lage der Menschen verbessern. "Versöhnungsseminare reichen nicht, wenn die Jugend arbeitslos ist."

In den kommenden Jahren plant der Bund für Soziale Verteidigung neben dem Engagement für die "Nonviolent Peaceforce" auch den Ausbau der Friedenserziehung an Schulen. Damit soll Schülern eine Alternative zu den Werbe- und sonstige Auftritten von Jugendoffizieren der Bundeswehr geboten werden.

In Weißrussland unterstützt die friedenspolitische Organisation  zudem seit fast zehn Jahren das Bürgernetzwerk "Nasch Dom", das die Interessen der Menschen gegenüber dem Staat vertritt. So wurden auf Druck der Initiative Bushaltestellen eingerichtet und Straßen asphaltiert. Das Web-Portal www.chinovniki.info informiert über Korruption in Belarus. "Nasch Dom" hat verschiedene Instrumente des Rechtschutzes entwickelt und könnte nach einem Ende der Diktatur Teil des friedlichen Übergangs zur Demokratie werden, um Entwicklungen wie in der Ukraine zu vermeiden.