Zehn falsche Gewissheiten aus Christentum und Bibel

Haben Adam und Eva wirklich einen Apfel gegessen?

Foto: thinkstock/iStock/Mallivan/Evgeniy Zaharov (M)

Haben Adam und Eva wirklich einen Apfel gegessen?

Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche, "7 Wochen Ohne", steht diesmal unter dem Motto: "Selber Denken - 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten". Solche falschen Gewissheiten entstehen häufig, weil Tradiertes nicht mehr hinterfragt wird. Evangelisch.de hat zehn solcher weit verbreiteter Gemeinplätze aus dem Bereich Christentum und Bibel gesammelt, die eher zu den populären Irrtümern gehören.

Falsche Gewissheit Nr. 1: Der Name des christlichen Religionsgründers war Jesus Christus
Seine Eltern werden ihm einen hebräischen oder aramäischen Namen gegeben haben: vielleicht Jeschua oder Jehoschua. Der Name bedeutet so viel wie "Er wird erretten". Jesus ist die griechische Version dieses Namens, denn das Neue Testament wurde weder – so auch ein weit verbreiteter Irrtum – in Hebräisch, noch in Aramäisch verfasst, sondern in Griechisch (der damals üblichen Verkehrssprache im östlichen Mittelmeerraum). Erst seine Anhänger haben nach seinem Tod die Formel Jesus Christus geprägt. Sie darf als das älteste Bekenntnis der Christenheit gelten. Sie heißt nämlich so viel wie: Jesus ist der Messias. Christus kommt aus dem Griechischen und bedeutet "der Gesalbte" – eine Übersetzung des hebräischen "masiah" (Messias).

Falsche Gewissheit Nr. 2: Saulus wandelte sich zu Paulus
In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie Paulus nach einer Vision eine Kehrtwendung vom erbitterten Christenverfolger hin zum engagierten Verbreiter der Botschaft Christi vollzieht. Dass er aber dabei gleich auch seinen Namen von Saulus in Paulus änderte, ist allerdings ein populärer Irrtum. In der Bibel ist von einer solchen Neubenennung nirgends die Rede. Richtig ist nur, dass Paulus in der Apostelgeschichte vor der Benennung nie so genannt wird. Tatsächlich aber trug der Apostel schon von Geburt an beide Namen: "Paulus" als römischen Namen (da er auch römischer Bürger war) und "Saul" (die Namensversion "Saulus" ist eine römische Übersetzung) als jüdischen Namen.

Falsche Gewissheit Nr. 3: Adam und Eva aßen einen Apfel
Dafür lässt sich tatsächlich kein Beleg finden. In der Bibel steht nur, dass es sich um eine Frucht vom Baum der Erkenntnis handelte. Dass im Laufe der Jahrhunderte sich der – meist rote – Apfel als verbotene Paradiesfrucht durchgesetzt hat, liegt an einer Schwierigkeit in der Übersetzung des lateinischen Wortes "malus", das sowohl "böse" als auch "Apfelbaum" bedeuten kann.

Falsche Gewissheit Nr. 4: Eden bedeutet soviel wie Paradies
Geradezu das Gegenteil ist der Fall: "Eden" ist ein altes sumerisches Wort für "Wüste" oder "Steppe" und "Paradies" ist ein griechisches Lehnwort aus einer orientalischen Sprache. Es heißt so viel wie "Eingezäuntes" - und im Griechischen dann: "Garten". Wenn im Alten Testament vom Paradies die Rede war, dann hieß es "der Garten in Eden", also der Garten in der Wüste. Erst bei Luthers Bibelübersetzung wurde daraus der "Garten Eden".

Falsche Gewissheit Nr. 5: Jesus wurde im Jahr Null geboren
Unsere Zeitrechnung beginnt ja bekanntlich mit Christi Geburt. Daraus könnte man schließen, dass er eigentlich im Jahr Null geboren sein müsste. Allerdings hat es dieses Jahr nie gegeben. Als Jesus in Judäa geboren wurde, galt nämlich noch die römische Zeitrechnung, die für das gesamte Imperium verbindlich war. Die Null war in der römischen Zählweise aber überhaupt nicht gebräuchlich. Im sechsten Jahrhundert stellte man Berechnungen an, denen zufolge Jesus im Jahr 753 der römischen Zeitrechnung geboren worden sei. Dieses Jahr wurde als Jahr 1 A.D. (Anno Domini = Im Jahr des Herrn) festgelegt. Dabei schlich sich übrigens möglicherweise noch ein Rechenfehler von 5 bis 6 Jahren ein. Jesus wurde also vielleicht sogar im Jahre 5 oder 6 vor Christus geboren.

Falsche Gewissheit Nr. 6: Goliath wurde von David getötet
In 1. Samuel 17 wird berichtet, wie David den Riesen Goliath tötet. Im 2. Buch Samuel dagegen heißt es: "Da erschlug Elhanan, der Sohn Jaïrs aus Bethlehem, den Goliat, den Gatiter; der hatte einen Spieß, dessen Schaft war wie ein Weberbaum." Bibelforscher gehen davon aus, dass dieser Text etwa von 950 v. Chr. stammt, der Text, der David erwähnt, aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr. Ein tatsächlicher historischer Sachverhalt wird sich wohl nie klären lassen – zumal es hier auch nicht um eine faktische "Wahrheit" gehen kann.

Falsche Gewissheit Nr. 7: Noah sollte von jeder Tierart ein Pärchen mit in die Arche nehmen
Auch in der biblischen Erzählung von der Sintflut finden sich einander widersprechende Stellen: In 1. Mose 6, 19 ff liest man die weithin bekannte Weisung Gottes an Noah, "von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar, Männchen und Weibchen" in die Arche zu bringen. In 1. Mose 7, 2-3 heißt es hingegen: "Von allen reinen Tieren nimm zu dir je sieben, das Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber je ein Paar, das Männchen und sein Weibchen. Desgleichen von den Vögeln unter dem Himmel je sieben, das Männchen und sein Weibchen, um das Leben zu erhalten auf dem ganzen Erdboden."

Falsche Gewissheit Nr. 8: Die Paulusbriefe stammen von Paulus
Im Neuen Testament sind vierzehn Briefe enthalten, die gemeinhin dem Apostel Paulus zugeschrieben werden. Einige davon stammen aber wohl gar nicht von ihm. Ziemlich sicher ist sich die Forschung beim Hebräer-Brief. Aber auch bei den beiden Briefen an Timotheus sowie dem an Titus, an die Epheser, an die Kolosser und beim zweiten Brief an die Thessalonicher wird Paulus' Urheberschaft zumindest angezweifelt.

Falsche Gewissheit Nr. 9: Es gibt nur vier Evangelien
Die bekannten vier Evangelien nach Markus, Lukas, Matthäus und Johannes, die sich in der Bibel finden, heißen auch kanonische Evangelien, weil sie in den anerkannten Kanon der biblischen Schriften des Neuen Testaments aufgenommen wurden. Darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere, sogenannte apokryphe (geheime) Evangelien. Zu ihnen gehören zum Beispiel das Thomasevangelium, das Protoevangelium des Jakob, das Evangelium des Pseudo-Matthäus und einige mehr. Aus ihnen stammen übrigens viele Elemente des Volksglaubens, wie Ochse und Esel im Stall zu Bethlehem beispielsweise.

Falsche Gewissheit Nr. 10: Das Jesuskind wurde von den Heiligen Drei Königen besucht
Geht man nach den biblischen Texten, waren die Heiligen Drei Könige weder heilig, noch zu dritt, noch waren sie Könige. Erwähnt werden sie überhaupt nur im Matthäus-Evangelium. Dort ist aber von "Magiern bzw. Weisen aus dem Osten" (Magoi) die Rede, nicht von Königen. Ihre Zahl wird nicht genannt, nur drei Sorten von Geschenken, die sie dabei hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Frühchristliche Darstellungen zeigen daher zwischen zwei und acht Personen. Und eine offizielle Heiligsprechung hat es tatsächlich nie gegeben.

aus dem chrismonshop

Das chrismon-Familienjahrbuch
Warum beginnt das Kirchenjahr im Dezember? Wie nennen die Astronomen den Morgenstern? Und wie geht noch mal das berühmte Lied dazu? Das neue Jahrbuch für Familien mit kleinen...