Schneewittchen streikt: Puppentheater gegen Schwarzarbeit

Mit Schneewittchen gegen Schwarzarbeit

Foto: epd/Daniel Wenisch

Deutschland spricht 2019
Schneewittchen streikt: Puppentheater gegen Schwarzarbeit
Bei den sieben Zwergen herrscht große Empörung. Grund ist die Haushaltshilfe Schneewittchen. Sie hat die Arbeit niedergelegt und ist in einen Streik getreten.

"Warum ist mein Bettchen nicht gemacht?", mosert ein an Fäden aufgehängter Zwerg sie an. Schneewittchen aber hat die Nase voll: Sie werde erst wieder arbeiten, wenn die Zwerge ihre Tätigkeit ordnungsgemäß bei der Minijob-Zentrale angemeldet haben, entgegnet sie den Hausherren. Schneewittchen stammt wie alle anderen Figuren aus dem Fundus der Augsburger Puppenkiste. Und sie steht mit ihrer Forderung nicht alleine da. Auch andere Märchen-Marionetten wie Rotkäppchen und Dornröschen werben künftig für die Minijob-Zentrale - und sagen der Schwarzarbeit den Kampf an.

Nur ein Bruchteil ordnungsgemäß gemeldet

In den vergangenen Tagen wurden in Augsburg drei 30-Sekunden lange Werbespots gedreht, mit denen die Zahl der illegal beschäftigten Hilfskräfte im Haushalt gesenkt werden soll. Derzeit sind nur 260.000 der geschätzt vier Millionen Haushaltshilfen in Deutschland ordnungsgemäß gemeldet. Auch in Print- und Online-Medien sowie auf Infomaterial der Behörde werden sich die bekannten Holzfiguren ab Ende April für die Anmeldung von Angestellten in Privathaushalten einsetzen.

Von der Popularität der Augsburger Puppenkiste verspricht sich die Minijob-Zentrale vor allem eine Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades. Zudem sollten damit die Vorteile einer Anmeldung von geringfügig Beschäftigten im Haushalt hervorgehoben werden, sagt Sprecher Andreas Narozny. Er verweist auf Steuervorteile, durch die ein angemeldeter Minijobber für den Arbeitgeber kaum teurer sei als eine schwarz beschäftigte Haushaltshilfe. Die Angestellten seien zudem unfallversichert und hätten Anspruch auf bezahlten Urlaub. Bei einer illegalen Beschäftigung drohe dagegen eine Strafe von bis zu 5.000 Euro.

Solche Botschaften ließen sich durch die adaptierten Märchen der Gebrüder Grimm hervorragend vermitteln, betont Klaus Marschall, der Leiter der Puppenkiste. Als die Minijob-Zentrale sich an ihn gewandt habe, habe er sehr schnell seine Hilfe zugesagt: "Es geht dabei nicht um Konsumförderung. Wir verkaufen uns nicht, deshalb unterstützen wir die Minijob-Zentrale."

Dornröschen verschläft die Steuervorteile

Beim Schneewittchen-Spot geht es um das Thema Versicherung: Schneewittchen hat Angst, im Falle eines Unfalls am Arbeitsplatz ohne Absicherung dazustehen. "Was soll dir denn schon passieren?", fragt daraufhin der Zwerg. Die Antwort folgt prompt, als die böse Stiefmutter ihre lecker aussehenden, in Wahrheit aber giftigen Äpfel anpreist.

Die Vielfalt der Märchen ermögliche es, verschiedene Themen der Minijob-Anmeldung mit bekannten Elementen der Geschichten zu verbinden, sagt Regisseur Fred Steinbach. So lasse sich etwa Dornröschen 100 Jahre Steuervorteile entgehen, bei Rotkäppchen gehe es um die Pflege der Großmutter auf 450-Euro-Basis. Das sei neben Problemen mit den Urheberrechten auch einer der Gründe, weshalb nicht die bekanntesten Puppenkisten-Figuren wie Jim Knopf oder Urmel für die Kampagne vor der Kamera stehen.

Puppenkisten-Chef Marschall hat derweil noch viel mehr Ideen, wie das Thema angegangen werden könne: "Auch Frau Holle beschäftigt mindestens zwei Haushaltshilfen schwarz. Und wer versichert eigentlich Rumpelstilzchen, wenn es Stroh zu Gold spinnt?" Weitere Werbespots mit den Augsburger Kult-Puppen sind also nicht ausgeschlossen.

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