Bier für Aufräumen: Diakonie lobt Essener Alkoholiker-Projekt

Bier für Aufräumen: Diakonie lobt Essener Alkoholiker-Projekt
Alkholiker mit Bier belohnen? Das klingt seltsam, aber der Suchtexperte Ralph Seiler findet die Idee trotzdem "kreativ", um die Suchtkranken überhaupt erstmal zu erreichen.
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Der Suchtexperte Ralph Seiler lobt die Pläne der Stadt Essen, Alkoholiker für die Reinigung öffentlicher Plätze mit Bier zu belohnen, als kreative Idee. Zwar sei die Bezahlung mit Alkohol aus ethischer Sicht fragwürdig, sagte der Geschäftsbereichsleiter Soziales und Integration bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe in Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem sei eine Entlohnung in Naturalien unüblich. "Aber um chronisch Suchtkranke zu erreichen, gibt es keine einfachen Lösungen."

Der Essener Sozialdezernent Peter Renzel (CDU) will Alkoholiker dazu bringen, ihre Aufenthaltsorte in der Revierstadt selbst sauber zu halten. Dafür sollen die Suchtkranken neben einem geringen Entgelt auch Bier erhalten, das sie schon während der Arbeit trinken dürfen. Die Idee stammt aus Amsterdam. Dort erhalten die Teilnehmer an den Reinigungseinsätzen pro Tag zehn Euro, mehrere Dosen Bier, eine warme Mahlzeit und Tabak.

In der Suchthilfe sei Abstinenz das beste Mittel, betonte Diakonie-Experte Seiler. Das würde aber nur funktionieren, wenn die Süchtigen zum Verzicht bereit und in der Lage wären. "Bis dahin braucht man jede Menge Kreativität, um chronisch Suchtkranke zu erreichen." Die Zielgruppe des Essener Projekts sind nach Seilers Worten langjährige Alkoholiker, die den Großteil des Tages auf der Straße verbringen und anders kaum erreicht werden können. Wichtig sei, dass ihnen auch weitergehende Hilfen angeboten würden.

Für richtig hält Seiler in jedem Fall, dass sich die Stadt Essen der Trinkerszene annehme, anstatt nur mit Platzverweisen gegen sie vorzugehen. Das Projekt könne helfen, Alkoholikern wieder eine feste Tagesstruktur zu geben. "Wenn sie das Bier in Rationen über den Tag verteilt bekommen, kann das auch dazu beitragen, ihren Konsum zu reduzieren", hofft der Fachmann für Suchtfragen.

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